Mobilfunknetzbetreiber setzen schnellere Übertragungsgeschwindigkeit und neue Inhalte als Argumente im Kampf um neue Kunden ein
Zweiter Versuch für mobilen Datenturbo GPRS

Die Mobilfunkübertragungstechnik GPRS soll mehr Komfort und Geschwindigkeit in die mobile Datenübertragung bringen. Doch noch fehlen den Netzbetreibern die Kunden und die Handys. Das soll sich im nächsten Jahr ändern. GPRS ist der Testlauf für die schnellere und teurere UMTS-Technik.

HB DÜSSELDORF. Weihnachten kommt für die deutschen Mobilfunknetzbetreiber in diesem Jahr zu früh. Denn das Geschäft mit dem Übertragungsstandard GPRS kommt erst einige Wochen später in Schwung, glauben die Unternehmen. Mit der Technik werden Daten schneller übertragen als bislang üblich - ein Argument für den Kauf neuer Mobiltelefone, der häufig zu Weihnachten ansteht.

"Es wird voraussichtlich Anfang nächsten Jahres genug Endgeräte geben", heißt es beim Marktführer T-Mobil. "Das wird GPRS deutlich voranbringen." Und damit auch das Geschäft mit dem mobilen Internet, das künftig die Umsätze der Mobilfunker antreiben soll. Darauf hoffen auch die Konkurrenten D2 Vodafone, E-Plus und Viag Interkom. Die Kunden sollen nicht nur telefonieren und Kurzmitteilungen verschicken, sondern genauso intensiv surfen, Dateien herunterladen, online spielen und Videoclips verschicken. Analysten von Frost & Sullivan gehen davon aus, dass bis 2006 mehr als 45 % der Einnahmen der Mobilfunkgesellschaften mit mobilen Datendiensten und mit mehr mit Sprache generiert werden.

GPRS ist der Vorläufer der noch schnelleren Übertragungstechnik UMTS. Die Unternehmen haben ihre bestehenden Netze bereits vor knapp einem Jahr auf GPRS aufgerüstet und dafür jeweils etwa 200 Mill. DM ausgegeben. Das Geschäft mit dem Datenturbo kam bisher allerdings nicht auf Touren, da es nicht genug GPRS-Handys gab.

Das soll sich jetzt ändern: Um Kunden zum Kauf eines neuen Mobiltelefons zu bewegen, reicht die Übertragungsgschwindigkeit allein aber nicht aus. "Die Nutzer sind nicht dumm. Wenn sie keinen Mehrwert für sich sehen, lassen sie schnell wieder die Finger davon", sagt Nigel Deighton, Analyst bei Gartner Research. Diesen Mehrwert will E-Plus durch neue Inhalte im mobilen Internet schaffen. Anfang 2002 will das Unternehmen die europäische Variante von Japans I-Mode einführen. British Telecom, Muttergesellschaft von Viag Interkom, hat dagegen ein spezielles Gerät entwickeln lassen, eine Kombination aus einem Mobiltelefon und einem Taschencomputer, um das mobile Web komfortabler zu machen. Das Gerät soll ebenfalls Anfang 2002 auf den Markt kommen.

Darauf setzt auch der Marktneuling Quam (ehemals Group 3G) , allerdings bietet das Unternehmen Handy und Taschencomputer noch als zwei getrennte Geräte ab Ende November an.

Mit GPRS geht der Kampf der Mobilfunker um neue Kunden in die nächste Runde. Vor allem die kleinen Anbieter hoffen durch bessere Netzqualität Kunden von den Marktführern weglocken zu können. Tests der Zeitschrift "connect" machen ihnen Mut. Die Netze von E-Plus und Viag haben guten Noten bekommen. Das T-Mobil-Netz sei zu langsam und D2 Vodafone habe noch mehr Schwachstellen, die es ausmerzen müsse, so die Tester.

GPRS gilt als Probelauf für das UMTS-Zeitalter. Einen Flop können sich die Unternehmen nicht leisten, seitdem sie jeweils 8,4 Mrd. Euro in eine UMTS-Lizenz investiert haben und weitere Ausgaben in Milliardenhöhe beim UMTS-Netzaufbau auf sie zukommen. "Wer Probleme bei GPRS hat, wird mit UMTS noch größere Probleme bekommen," sagt Lars Godell, Telekomanalyst bei Forrester Research. "Da der GPRS-Netzaufbau viel billiger war als UMTS sein wird, sollten die Netzbetreiber GPRS möglichst lange melken und den UMTS-Aufbau auf ein Minimum beschränken." Beide Netze werden ohnehin noch einige Jahre nebeneinander bestehen. UMTS wird zunächst in den Ballungszentren aufgebaut und daher lange nicht flächendeckend zur Verfügung stehen.

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