Mobilfunknetze drücken auf das Ergebnis
Sogar Nokia bekommt Gegenwind

Das Image stimmt, eine effektive Produktion kommt hinzu, und an der Logistik ist auch nichts auszusetzen. Drei Gründe, warum der finnische Nokia-Konzern die Konkurrenz hinter sich lässt. Doch nun sind Aussetzer bei den Mobilfunknetzen zu erkennen.

STOCKHOLM. Das Image stimmt, eine effektive Produktion kommt hinzu, und an der Logistik ist auch nichts auszusetzen. Drei gute Gründe, warum der Weltmarktführer bei Handys, der finnische Nokia-Konzern, die Konkurrenz hinter sich lässt und ein ums andere Mal mit seinen hohen Gewinnspannen überrascht. Zuletzt mit den Zahlen für das erste Quartal. Konkurrenzlose 23,9 % an Umsatzrendite bei den Handys lässt alle Mitbewerber vor Neid erblassen. Ein Weltmarktanteil bei Mobiltelefonen von 38 % und das erklärte Ziel, die 40 %-Marke in absehbarer Zeit zu erklimmen, machen das Leben für die Konkurrenz nicht leichter.

Doch während die Handys der Finnen weiterhin extrem gut laufen und die imponierenden Gewinnspannen wie Musik in den Ohren der Anleger klingen, sind deutliche Aussetzer bei den Mobilfunknetzen zu erkennen. Anleger müssen sich deshalb auf schwierigere Zeiten einstellen, obwohl gestern gleich mehrere Investmentbanken die Nokia - Aktie heraufgestuft haben. Allerdings beziehen sich die Urteile auf kurzfristige Anlagen.

Auf längere Sicht wird auch Nokia mit einem Sinken der durchschnittlichen Verkaufspreise seiner Handys zu kämpfen haben. Außerdem dürfte der Markt in Westeuropa allmählich gesättigt sein, so dass größere Zuwachsraten unwahrscheinlich sind.

Die weitaus größeren Sorgenfalten verursachen aber die Mobilfunknetze: Die großen Telekom-Konzerne haben sich in vielen Ländern bei der Ersteigerung von Lizenzen für den dritten Mobilfunkstandard UMTS überhoben und müssen nun auf die Kostenbremse drücken: Die Investitionsbereitschaft ist dramatisch zurückgegangen, ja, selbst bei dem wegen Kapazitätsengpässen notwendigen Ausbau der bestehenden Netze wird gespart.

Das trifft vor allem den schwedischen Konzern Ericsson, der weltgrößter Hersteller von Mobilfunknetzen ist und mit diesen über 80 % seines Gesamtumsatzes macht. Doch auch Nokia leidet unter der düsteren Stimmung in der Branche. Bei dem Konzern steht die Netzsparte zwar nur für knapp über 20 % des Umsatzes, doch der Bereich macht auch Nokia zunehmend größere Sorgen. Die Streichung von etwa 2 000 Stellen allein seit Anfang des Jahres ist ein Beleg, dass auch das finnische Vorzeigeunternehmen gegen Krisen nicht gefeit ist.

Im ersten Quartal dieses Jahres ging der Umsatz in der Netzsparte um rund 15 % zurück, das Betriebsergebnis für den Bereich lag sogar um etwa ein Drittel niedriger als im Vorjahresquartal. Schlimmer noch: Nokia-Chef Jorma Ollila warnte davor, dass die Netzsparte im Gesamtjahr stärker fallen werde, als die Finnen zunächst selbst angenommen hatten. Jetzt rechnet Ollila mit einem Rückgang bei den Mobilfunknetzen von 15 % oder mehr. Bislang war Nokia von einem Umsatzminus von 5 % bis 10 % gegenüber 2002 ausgegangen.

Sollten sich die Prognosen bewahrheiten, würde der Konzern allein mit den Netzen etwa eine halbe Mrd. Euro verlieren. Viel Geld, auch für Nokia. Das wurde vergangene Woche besonders deutlich, als das Unternehmen die Kosten für das Sparprogramm in der Netzsparte auf 300 bis 400 Mill. Euro bezifferte. Sie werden das Ergebnis im zweiten Quartal belasten. Die Frage ist, ob die angekündigten Maßnahmen reichen, um die Flaute bei den Mobilfunknetzen zu überwinden.

Auch wenn Nokia in erster Linie ein Handy-Hersteller ist, werden Analysten immer kritischer das Netzengagement betrachten. Und es könnten ähnliche Forderungen wie bei Ericsson aufkommen: Der schwedische Konzern lagerte nach vielen verlustreichen Quartalen seine Handy-Produktion in das Joint Venture mit Sony aus. Ganz zurückziehen wollte sich Ericsson nicht aus dem Mobiltelefongeschäft, da die Konzernleitung immer wieder auf die positiven Synergien hinwies, die es für ein Telekommunikationsunternehmen gäbe, das Handys und Netze herstellt.

Nokia begründet ein Festhalten an der nun zum ersten Mal verlustreichen Netzsparte mit eben diesem Argument. Doch der Druck der Anleger könnte stärker werden, wenn die Netzsparte weiterhin die schönen Handygewinne verhagelt.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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