Mobilfunkservices bestehen nebeneinander weiter
SMS hat noch längst nicht ausgedient

Während der Durchbruch von Wap weiter auf sich warten lässt, hält der ungeplante Siegeszug von Short Message Services - kurz SMS - an. Die Nutzer lieben den unkomplizierten Dienst und legen wenig Wert auf komplizierte technische Neuerungen.

Bereits die Startbedingen für Wap waren denkbar schlecht: Erst kamen die Geräte nicht, dann fehlte eine flächendeckende Netz-Infrastruktur. Die Kunden reagierten prompt: "Nach einigen Versuchen mit den Wap-Diensten hat die Mehrzahl der Nutzer genug", kritisiert die britische Nielsen Die Erfahrungen der Sparkasse Dortmund, die über ein eigenes Wap-Portal Finanzdienste anbietet, zeigen, dass "die Zahl der Transaktionsdienste leicht zurückgegangen ist". Rund 500 Kunden des Geldinstitutes nutzen die mobilen Services. Sie bringen dem Anbieter "zwar noch kein Geld, aber ein innovatives Image", begründet Sprecherin Nicole Schulte-Lippern das Engagement. Immerhin greifen die Nutzer der Dortmunder Sparkasse bis zu zehnmal im Monat per Handy auf ihre Konten zu.

Die Kunden der Deutschen Bank, denen seit Sommer 2000 ebenfalls eine Reihe mobiler Finanz-Dienste geboten werden, hingegen nutzen die Kontosicht per Handy "im Extremfall sogar mehrfach am Tag", erklärt Jean Luc Vey, der den Bereich Mobile Commerce betreut. Angaben über die Entwicklung der Kundenzahlen macht Vey jedoch nicht. Netzbetreiber geben sich optimistisch: T-Mobil meldet, dass die Zahl der Wap-Nutzer bei T-D1 im letzten Quartal 2000 erstmals die Millionengrenze überstieg. Einen Boom erleben die SMS-Dienste. Die Zahl der über T-D1 übermittelten Kurznachrichten stieg von 300 Mill. im Dezember 1999 auf rund 650 Mill. im Dezember 2000. Insgesamt wurden vergangenes Jahr mehr als 5,5 Mrd. Kurznachrichten via T-D1 transportiert. Der Kurznachrichtendienst per Handy hat also längst nicht ausgedient: Die internationale GSM Association zählt für den Dezember vergangenen Jahres weltweit 15 Mrd. SMS. Für das Jahr 2001 rechnet man mit mindestens 200 Mrd. Textnachrichten. Dazu sollen vor allem neue Dienste beitragen.

Nokia bietet M-Commerce-Plattform

"Mit seinen geringen Bandbreiten eignet sich SMS hervorragend für Werbung oder Nachrichtendienste", erklärt Uwe Schmitz von Nokia Networks. Sein Unternehmen bietet eine modulare technische Plattform, die je nach Anforderung neben SMS auch Wap und künftig auch Multimedia Messaging Services (MMS) unterstützt. Der modulare Aufbau der Plattform lässt nach Angaben des Herstellers eine Vielzahl von Diensten zu. Kunden können ihr spezielles Paket zusammenstellen und etwa die Verwaltung von Inhalten mit einem Zahlungsmodul kombinieren. So kann sich der Handynutzer die Information über die besten Restaurants schicken lassen und diesen Service gleich über seine Mobilfunkrechnung abrechnen lassen. Der Verkauf von Spielen wird laut Schmitz in den nächsten Jahren stark zum Umsatz beitragen.

Mehr als 1 000 Partner entwickeln inzwischen für die Nokia M-Commerce-Plattform Anwendungen, mit denen Nokia laut Schmitz "die gesamte Bandbreite verfügbarer Services abdeckt". Spiele werden seiner Meinung nach in nächster Zukunft ebenso nachgefragt werden wie professionelle Dienste, die den Außendienst bei seiner Arbeit unterstützen. Die Mitarbeiter können dann den Lagerbestand bestimmter Artikel überprüfen und ihrem Kunden präzise Lieferzeiten nennen. "Wichtig dabei ist, dass die neuen Services für alle Infrastrukturen zu nutzen sind", erläutert Schmitz. Das heutige GSM mit SMS muss ebenso bedient werden können wie Wap mit GPRS oder UMTS. Zum einen gelte es für den Entwickler, Investitionssicherheit zu schaffen; zum anderen gehe es um Service. "Hat sich der Kunde einmal an einen Dienst gewöhnt, hat er zumeist wenig Lust auf einen Wechsel der gewohnten Softwareoberfläche", erläutert Nokias Fachmann Schmitz. Die Flexibilität der Systemplattformen für verschiedene Netz-Infrastrukturen und Schnittstellen zu den bereits seit Jahren genutzten betriebswirtschaftlichen Systemen in Unternehmen sind seiner Meinung nach eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg des mobilen Handels.

Zu den Nutzern einer multifunktionalen Plattform gehören heute Unternehmen wie 12-snap. Der Münchener Anbieter von Auktionen per Handy setzt auf "alle möglichen Kommunikationswege, um den Kunden per Handy zu erreichen", erklärt Geschäftsführer Michael Birkel. So kann der Kunde per SMS darüber unterrichtet werden, dass zum Beispiel eine Reise gerade im Angebot ist und dann sofort sein Angebot machen. Dazu kann er anrufen und die Nachricht bei einem Mitarbeiter im Call-Center hinterlassen oder auch ein SMS zurückschicken.

Der Trend zum so genannten Unified Messaging, bei dem der Kunde bestimmt, wie er eine Nachricht weitergibt oder empfängt, wird auch von Unternehmen wie Unisys unterstützt. Das Unternehmen hatte sich in den vergangenen Jahren vor allem als Anbieter für betriebswirtschaftliche Lösungen und Call-Center-Anwendungen etabliert. Jetzt stellt Unisys eine Plattform, bei der Kunden unabhängig vom Endgerät des Empfängers Nachrichten verschicken können.

SMS auch über das Festnetz

In Deutschland nutzt E-Plus das System, mit dem eine per Handy verschickte SMS dem Empfänger mit einem normalen Telefon über eine freundliche Stimme vermittelt wird. Erste Erfahrungen zeigen: Der Service kommt an. Schließlich ist es dem Nutzer gleich, welche Infrastruktur einen Dienst ermöglicht.

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