Mobilfunkunternehmen kurz vor der Insolvenz
Mobilcom: Ultimatum für Schmid abgelaufen

Der Mobilfunkkonzern Mobilcom ist am Dienstag unvermindert auf die Insolvenz zugesteuert, nachdem sich im Streit zwischen der Bundesregierung und Gerhard Schmid bis zum Dienstagabend keine Lösung abzeichnete.

Reuters HAMBURG. Die Bundesregierung forderte Schmid nach Angaben von dessen Sprecher dazu auf, bis 18 Uhr einen neu formulierten Vertrag zur Übertragung seiner Aktien auf einen Treuhänder zu unterzeichnen. Die Mobilcom-Aktie brach zeitweise um mehr als 35 Prozent ein, erholte sich am Abend aber wieder etwas.

Schmids Anwalt habe am Nachmittag einen neuen Vertragstext von der Bundesregierung mit der Aufforderung erhalten, diesen bis 18 Uhr unterschrieben zurückzusenden, sagte der Sprecher am Dienstag. "Wir werde diesen rasch prüfen und noch heute beantworten", fügte er hinzu. Zuvor hatte Schmid ein von der Bundesregierung vorgeschlagenes Abkommen mit dem Argument abgelehnt, die darin verlangten Bedingungen zur Aktienübertragung kämen einer Enteignung gleich. Er werde den Vertrag deshalb so nicht unterschreiben, hatte Schmid erklärt.

Bundeswirtschafts- und Arbeitsminister Wolfgang Clement (SPD) sagte am Abend, er erwarte von Schmid, dass er einlenke. "Manchmal muss man sich sehr beeilen", fügte Clement hinzu. Bislang habe die Regierung aber noch kein Signal von Schmid erhalten, den neuen Treuhändervertrag zu unterzeichnen. Das Ministerium hatte Schmid zuvor bereits ultimativ aufgefordert, seine Aktien noch am Dienstag zu übertragen.

Schmid ließ über seinen Sprecher erklären, der neue Vertrag werde noch geprüft. "Noch können wir nicht sagen, ob dieser Vertrag so ist, dass wir ihn unterschreiben können."

Insolvenzordner schon seit Monaten parat

Ein Mobilcom-Sprecher lehnte einen Kommentar zu der Frage ab, ob das Unternehmen nun den Gang zum Insolvenzgericht vorbereite. Der Sprecher machte aber deutlich, dass Mobilcom wegen des seit längerem dauernden Konflikts zwischen den beiden Großaktionären Schmid und France Telecom auch auf die Möglichkeit einer Zahlungsunfähigkeit vorbereitet sei. "Den roten Insolvenzordner haben wir schon seit Monaten hier. Mir widerstrebt jedoch der gesunde Menschenverstand, das zu glauben, was sich da abzeichnet", sagte Firmensprecher Matthias Quaritsch.

Mobilcom-Lage prekär

Das Ministerium nannte die Lage von Mobilcom "prekär". "Es geht darum, das Unternehmen zu retten, das einzige was dazu noch fehlt ist die Unterschrift von Schmid", sagte eine Sprecherin am Nachmittag. Nach Angaben des Ministeriums zufolge wurden bei einer Krisensitzung am Montagabend, an der Schmid wegen des Streits über den Treuhändervertrag nicht teilnahm, die Verhandlungen abgeschlossen. "Das Sanierungskonzept steht, es fehlt nur noch die Unterschrift von Schmid", sagte ein Ministeriumssprecher. Alles hänge nun davon ab, dass Schmid wie im September vereinbart seine Anteile auf einen Treuhänder übertrage.

Mobilcom hatte bereits Mitte September unmittelbar vor einem Gang zum Insolvenzgericht gestanden, nachdem France Telecom im Streit mit Schmid die finanzielle Unterstützung für den einstigen Partner eingestellt hatte. Mobilcom war damals nur durch eine von der Bundesregierung kurz vor der Bundestagswahl vermittelte Soforthilfe der Kreditanstalt für Wiederaufbau über 50 Millionen Euro vor der Insolvenz bewahrt worden. Inzwischen gehen diese Mittel allerdings zur Neige. Die Bereitstellung neuer Mittel hängt jedoch im Rahmen einer Gesamtlösung aus Sicht der Bundesregierung vom Einlenken Schmids ab.

Schmid fordert unternehmerisch denkende Persönlichkeit

Schmid bekräftigte am Dienstag vor Journalisten seine Argumentation, wonach er sich für eine Übertragung der zusammen mit seiner Frau gehaltenen knapp 50 Prozent an Mobilcom die Benennung des Treuhänders vorbehalte. Für diese Funktion halte er weiter am früheren Debitel-Chef Joachim Dreyer fest, der eine "unternehmerisch denkende Persönlichkeit" sei. Einen reinen "Verwalter" für die seine Anteile lehne er aber ab.

Außerdem sei er nicht bereit, mit dem Treuhändervertrag gleichzeitig ein Schuldeingeständnis über ein von France Telecom kritisiertes Aktiengeschäft mit seiner Ehefrau abzugeben, fügte Schmid hinzu. Weiter machte Schmid deutlich, dass ihm der Verkauf seiner Aktien durch den Treuhändervertrag nicht untersagt werden dürfe, ansonsten komme dies einer Enteignung gleich. Schmid präsentierte einen von der Bundesregierung an ihn gerichteten "Gegenentwurf" zu einem bereits von ihm unterschriebenen Treuhändervertrag. Nach Darstellung Schmids stellte der Anwalt der Bundesregierung darin entsprechende Forderungen. "Diesen Vertrag werde ich so nicht unterschreiben", betonte Schmid.

France Telecom macht die Übertragung von Schmids Anteilen auf einen Treuhänder abhängig und verlangt, dass der Firmengründer keinen Einfluss auf das Unternehmen mehr hat. Der Kurs der Mobilcom-Aktie stürzte zeitweise um mehr als 35 Prozent ab und notierte am Abend noch mit rund 15 Prozent im Minus bei 4,40 Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%