Mobilfunkunternehmen wittern gutes Geschäft
Player: Etablierte Banken bekommen Konkurrenz

Zahlungsfunktionen für den Kunden zu übernehmen, ist in Zukunft kein Privileg von Banken mehr. Immer mehr Non-Banks dringen in die angestammten Geschäftsfelder der Kreditinstitute ein und machen ihnen dort zusehend Konkurrenz. Mehr zur mobilen Zukunft im Mobile Special

DÜSSELDORF. Auch die Mobilfunkunternehmen wittern hier ein gutes Geschäft. Dabei setzen die meisten Anbieter allerdings nicht auf einen Alleingang, sondern auf Kooperationen, strategische Allianzen und Joint Ventures. Gemeinsam mit etablierten Finanzdienstleistern entwickeln sie neue Verfahren, die das Bezahlen per Handy erlauben sollen.

"MobilBank" startet im Herbst

Beispiel Mobilcom: Das Unternehmen hat mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) das Joint Venture "MobilBank" gegründet. Auf der Cebit stellten die beiden Partner erste mobile Bezahlverfahren vor, die nach dem Beta-Test im Sommer im Herbst 2001 an den Start gehen sollen. Die MobilBank verspricht den "Bankschalter im Handy". Zunächst sollen via SMS und WAP Online-Einkäufe bezahlt und Zahlungen an andere Handybesitzer ausgeführt werden können. Der Kunde teilt der Bank einfach per SMS den Betrag und die Handynummer des Empfängers mit. Die MobilBank führt die Zahlung sofort aus und informiert den Zahlungsempfänger unmittelbar über die Zahlung. Je nach Sicherheitsbedürfnis des Kunden, der an Hand seiner Rufnummer eindeutig identifiziert wird, kann eine PIN-Prozedur vorgeschaltet werden oder nicht. Wenn mit dem Start von UMTS die digitale Signatur Einzug halten wird, soll der Kunde auf diesem Weg schließlich auch im Kaufhaus oder Handwerkerrechnungen bezahlen können. Die Kontoeröffnung erfolgt einfach durch ein Kreuzchen auf dem Mobilfunkvertrag mit Mobilcom. Aber auch Kunden anderer Mobilfunkunternehmen können problemlos ein Konto eröffnen und den Dienst nutzen.

Debitel setzt auf Partnerschaft mit Paybox

Beispiel Debitel: Das Mobilfunkunternehmen ist eine strategische Partnerschaft mit Kapitalbeteiligung mit der Paybox AG eingegangen. Das Finanzdienstleistungsunternehmen hat als erster Anbieter eine massenfähige Zahlungsmethode für Mobiltelefone entwickelt und in Deutschland eingeführt. Neben Debitel sitzt die Deutsche Bank AG mit 50 Prozent bei Paybox im Boot. Sie sorgt als operativer Partner für die Abwicklung des Zahlungsverkehrs. Die vor einem Jahr gestartete massenfähige Zahlungsmethode sieht sich nach den Worten des Vorstandsvorsitzenden der Paybox.net AG, Mathias Entenmann, auf dem Weg zum internationalen Industriestandard. Die offene Plattform zählt derzeit in Deutschland, Österreich, Spanien und Schweden rund eine Viertelmillion Nutzer. Jüngst hat Paybox zudem den Schritt nach Großbritannien getan. Sie bietet derzeit 5 000 Akzeptanzstellen, darunter rund 1 000 E- und M-Commerce-Unternehmen, rund 4 000 Taxifahrer, Pizzadienste und Restaurants. Außerdem kann der Paybox-Kunde in den Reisebüros von Karstadt seine Buchungen per Paybox begleichen, auch der Kauf von Kinokarten und Lotto spielen ist inzwischen möglich. Bis zum Jahresende soll es 1 Million Nutzer geben. Dies wäre in etwa die Mindestgröße, um den Massenmarkt erschließen zu können. Gleichzeitig soll die Zahl der Akzeptanzstellen auf rund 10 000 verzehnfacht werden.

Viag Interkom und Hypo-Vereinsbank arbeiten an einem Standard

Beispiel Viag Interkom: Gemeinsam mit der Hypo-Vereinsbank arbeitet der kleinste der vier deutschen Netzbetreiber an der Entwicklung eines offenen Standards für Mobile Payments. Auf der Cebit starteten die Partner im März ein Pilotprojekt mit 1 000 Teilnehmern, die nun ihre Online-Einkäufe bei beteiligten Shops über das Handy bezahlen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um größere Summe oder Kleinstbeträge, so genannte Micropayments, handelt. Der Nutzer zahlt im Online-Shop, indem er zunächst seine Rufnummer angibt. Der zweite Schritt ist wahlweise die Authorisierung der Zahlung per WAP-Handy oder die Eingabe eines Payment-PINs, der per SMS übermittelt wird. Die Initiative ist explizit für weitere Banken und Mobilfunknetzbetreiber offen.

D2 Vodafone sucht nach einem Partner

Ganz so weit ist man bei D2 Vodafone noch nicht. Dort hält man derzeit noch Ausschau nach dem geeigneten Partner unter den Banken und Kreditkartenunternehmen, mit dem eine eigene Payment-Lösung realisiert werden soll. Der Kunde soll in Zukunft sein Mobiltelefon wie eine Kreditkarte verwenden können. Micropayments von bis zu 10 DM sollen dann über die Telefonrechnung mit abgebucht, größere Summen direkt eingezogen werden.

Marc Renner  Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Marc Renner
Handelsblatt / Chef vom Dienst
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