Mobiltelefon erkennt Besitzer am Fingerabdruck
Neue Handy-Funktionen sollen Umsatz der Hersteller ankurbeln

Drehbare Displays, Sensoren für den Fingerabdruck, Kameras für die Überwachung aus der Ferne - die Hersteller von Mobiltelefonen lassen sich einiges einfallen, um neue Kunden zu locken.

DÜSSELDORF. Wenn es nach dem japanischen Mobilfunkkonzern NTT Docomo geht, dann sind das die neuen Trends bei Handys: Statt mit der üblichen Pin-Nummer schalten die Nutzer ihr Gerät künftig mit ihrem Fingerabdruck ein. Bilder, die sie sich auf ihr Handy herunterladen, können sie auf einem Chip speichern und dann ausdrucken. Und die Auflösung der in das Gerät integrierten Kameras wird auf das Vierfache des bisherigen Niveaus steigen. Docomo-Konzernmanager Takeshi Natsuno, Chef des mobilen Internetdienstes I-Mode, hat in Tokio die neuen Mobiltelefone von Sharp, Fujitsu und Mitsubishi vorgestellt. Sie werden in diesen Tagen in Japan ausgeliefert.

Zwar werden nicht alle Neuerungen auch in das Handy-Angebot für Westeuropa übernommen, dennoch wird deutlich, wohin künftig die Reise geht. Für die Anbieter auf den jeweiligen Märkten hat die neue Technik nur den einen Zweck: Sie soll die Kunden dazu bringen, das alte Mobiltelefon gegen ein neues zu tauschen. Ersatzbeschaffung ist jetzt nach Ansicht von Analysten ein wesentlicher Wachstumstreiber, denn viel Märkte gelten inzwischen als gesättigt. So haben in Westeuropa beispielsweise mehr als 70 % der Menschen ein Handy. Weltweit betrachtet gehen Experten von Credit Suisse First Boston davon aus, dass jedes dritte verkaufte Mobiltelefon in diesem Jahr ein älteres Gerät ersetzen wird.

Die Hersteller verfeinern und verbessern, was bereits existiert, um den Kunden vom Kauf eines neuen Handys zu überzeugen: Die Displays werden größer und farbig. Sie können in alle Richtungen gedreht werden, so dass sie bei Klapphandys mal innen, mal außen leuchten. Außerdem lassen sich die in das Handy integrierten Digitalkameras leichter bedienen: Der Nutzer kann die Objektive schwenken, so dass er sich beim Selbstporträt nicht mehr verrenken muss, um den entsprechenden Bildausschnitt im Sucher zu sehen. Es gibt inzwischen sogar Handy-Kameras, mit denen eine Fernüberwachung möglich ist.

Darüber hinaus erhalten Handys neue Funktionen. Bereits im vergangenen Jahr hat Nokia sein "N-Gage" vorgestellt - eine Spielekonsole, mit der man auch telefonieren kann. Hutchison hat in Großbritannien und Italien Mobiltelefone mit Videokamera auf den Markt gebracht. Und ein Sharp-Handy das der japanische Mobilfunker J-Phone vertreibt, hat eine Taschenlampe integriert. Andere Handys widerum haben zwei Displays: eines, um E-Mails anzuzeigen, mit dem zweiten wird das Gerät bedient.

Vor allem Geräte mit größerem Display und einer Kamera werden sich nach Ansicht von Analysten durchsetzen und dies wird in einigen Jahren zur Grundausstattung jedes Mobiltelefons gehören. "Zwei von drei verkauften Handys werden in 2006 eine Kamera haben. Der Preisunterschied zwischen einem Mobiltelefon mit und einem ohne Kamera wird bei nur von zwei bis drei US-Dollar liegen", sagt Carolina Milanesi, Analystin bei der Marktforschungsgesellschaft Gartner, voraus.

Ob die eher exotischen Geräte mit integrierter Taschenlampe oder Fingerprint-Sensoren die Kunden überzeugen, da ist Milanesi skeptisch: "Das sind Beispiele für kurzfristige Trends oder absolute Nischenmärkte, die Masse der Kunden wird man mit diesen Produkten nicht erreichen."

Das gilt wohl auch für die rein modischen Handys, bei denen die Optik - weniger die Funktionen - das Kaufargument sein soll. Ein extremes Beispiel ist die Xelibri-Modellreihe von Siemens. Das Handy eignet sich nur zum Telefonieren. So hat Siemens beispielsweise ein Xelibri-Gerät, das völlig ohne Tasten auskommt. Gesteuert wird das Telefon über die Sprache. Hier steht die Hülle im Vordergrund. Solche Geräte sollen ein modisches Accessoire werden - wie eine Sonnenbrille, ein Gürtel oder eine Tasche.

Auch andere Experten sind skeptisch, ob das funktioniert. Fest steht nur so viel: Die Handy-Hersteller müssen sich an geringere Wachstumsraten gewöhnen. Ein Wachstum von 10 % sagen Analysten von Credit Suisse First Boston für den weltweiten Markt voraus, knapp 50 % waren es im Boomjahr 2000.

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