Modekonzern sieht im zweiten Quartal rot
Boss-Mode kommt nicht wieder in Mode

"Derzeit ist auf dem deutschen Markt keine Trendumkehr zu beobachten", teilte Boss am Mittwoch in seinem Zwischenbericht mit. Im ersten Halbjahr habe Hugo Boss auf dem heimischen Markt mit einem Umsatzminus von fünf Prozent aber besser abgeschnitten als der Durchschnitt der gehobenen Herrenbekleidungs-Hersteller, die Einbußen von zehn Prozent zu verkraften hatten.

Reuters METZINGEN. Im zweiten Quartal 2002 rutschte der Konzern mit 26,5 (2001: plus 2,6) Millionen Euro jedoch in die Verlustzone. Der Umsatz ging binnen Jahresfrist um zwei Prozent auf 175,5 Millionen Euro zurück. In den USA schrumpfte der Umsatz in lokaler Währung um 13 Prozent, zugleich wurden dort Verluste geschrieben. Im übrigen Europa stieg er dagegen um neun Prozent. Impulse seien nur aus dem europäischen Ausland zu erwarten, hieß es. Im ersten Halbjahr halbierte sich der Gewinn nach Steuern den Angaben zufolge fast auf 30,1 (58,9) Millionen Euro, während sich der Umsatz noch um knapp drei Prozent auf 534,6 Millionen Euro verbesserte.

Dividende dürfte gekürzt werden

Boss bekräftigte die vor einer Woche nach unten korrigierte Prognose, nach der der Konzern im laufenden Jahr nur noch einen Jahresüberschuss von 70 (Vorjahr: 107) Millionen Euro und einen Umsatz auf dem Niveau des Vorjahres von 1,095 Milliarden Euro erwartet. Darin seien alle Risiken enthalten, sagte Finanzchef Jörg-Viggo Müller in einer Telefonkonferenz. Weitere Korrekturen seien nicht zu erwarten. Die Aktionäre von Boss müssen in diesem Jahr angesichts sinkender Gewinne mit einer geringeren Dividende vorlieb nehmen. Boss pflege immer 50 Prozent des Bilanzgewinns auszuschütten, sagte Müller. "Ich sehe keinen Grund, warum wir daran etwas ändern sollten." Für 2001 hatte Boss 0,75 Euro auf die Stammaktien und 0,76 Euro auf die Vorzüge gezahlt. Die neue Gewinnprognose liegt 35 Prozent unter dem Vorjahreswert.

"Der Mann hat schlicht aufgehört, Bekleidung zu kaufen", hatte der neue Vorstandschef Bruno Sälzer vor einer Woche, bei der zweiten Korrektur der Prognosen innerhalb von zwei Monaten, resümiert. Im ersten Halbjahr verbesserte sich der Umsatz von "Boss Man", der Herren-Sparte, noch um drei Prozent auf 461,3 Millionen Euro, im zweiten Quartal stagnierte er. Mehr Erfolg hat Boss mit "Hugo": Die auf junge Käufer zugeschnittene Marke verbuchte in den ersten sechs Monaten 2002 einen Zuwachs von 17 Prozent auf 48,1 Millionen Euro.

Die vor dem Neustart stehende Damensparte "Boss Woman" hielt ihre Verluste mit acht (minus neun) Millionen Euro konstant, allerdings bei einem erneuten Umsatzeinbruch um 30 Prozent auf 16,1 Millionen Euro. Derzeit stellt Boss seinen Kunden die neue Kollektion für die Saison Frühjahr/Sommer 2003 vor, die Sälzer zufolge auf sehr positive Resonanz beim Handel gestoßen ist.

Verlust in den USA hat positiven Nebeneffekt

In den USA wird Boss eigenen Angaben zufolge in diesem Jahr Verluste schreiben. Der nicht näher bezifferte Fehlbetrag werde im zweiten Halbjahr aber geringer ausfallen als im ersten. Das Management der US-Vertriebstochter war Anfang Juni ausgetauscht worden, nachdem bei einer Inventur Bestandsdifferenzen entdeckt und nachträgliche Abschreibungen fällig wurden.

Für den Konzern hat der Verlust allerdings einen positiven Nebeneffekt: Die Steuerquote habe sich dadurch auf 23 von 33 Prozent verringert, hieß es. Boss gehört mehrheitlich dem italienischen Wollweber Marzotto.

Die im MDax notierten Vorzugsaktien büßten bis zum Nachmittag in einem schwächeren Gesamtmarkt 2,7 Prozent auf zehn Euro ein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%