Modekonzern will mit eigenen Shops expandieren
Für Jil Sander soll es auch ohne die Namenspatin eine große Zukunft geben

Nach dem Ausstieg der Modedesignerin Jil Sander setzt der Hamburger Modekonzern auf eine weltweite Expansion mit eigenen Läden.

dpa HAMBURG. "Wir wollen möglichst viele eigene Shops aufbauen, anstatt mit Franchisenehmern zu arbeiten", erläuterte Firmenchef Patrizio Bertelli am Mittwoch in Hamburg die künftige Strategie des Konzerns. Bertelli, der zugleich Vorstandschef des Mailänder Modehauses Prada ist, bekräftige bei der Bilanzpressekonferenz, dass es zu keiner Mischung der beiden Mode-Marken kommen werde. "Das wäre tödlich."

Auch wenn der Name bestehen bleibt, hat das Unternehmen nicht mehr viel mit der Gründerin zu tun: "Wir haben lange damit gerechnet, dass Jil Sander als Designerin zurückkommt", antwortete Bertelli auf Fragen nach einem neuen Chef- Designer. Grundvoraussetzung dafür wäre aber gewesen, dass Sander die Rolle als Minderheitseignerin und nicht als Firmenchefin ausübt, ergänzte Bertelli.

Jil Sander soll vom Kurszettel verschwinden

Bertelli kündigte an, die Minderheitsaktionäre auszahlen zu wollen. Dafür erwägt Jil Sander nach den Worten von Finanzchef Bernhard Wirmer, den Aktionären erneut eine Offerte zu unterbreiten, um alle Vorzugsaktien in Besitz zu bekommen. Von diesem Ziel sei man nach dem ersten Anlauf indes "noch weit entfernt".

Prada hatte kürzlich den Erfolg des öffentlichen Übernahmeangebots gemeldet und im April erklärt, 78 % der Jil-Sander-Vorzüge zu halten. Vor dem Angebot war Prada bereits im Besitz von 75 % der Stammaktien und 15 % der börsennotierten Vorzüge. Unternehmensgründerin Jil Sander, die zum Jahresbeginn nach Querelen mit dem neuen Großaktionär den Vorstandsvorsitz und das Design aufgegeben hatte, hält nach Medienberichten noch 25 % der Stämme und wohl noch 15 % der Vorzüge.

Das Management vertraut auf die Attraktivität der Marke

Zwar sucht das Unternehmen weiterhin nach einem Designer, vertraut aber auch auf die Zugkraft der Marke: "Wenn eine Marke so stark ist, dann hängt ihr Erfolg nicht von dem Namen eines Designers ab." Dennoch ist der Unternehmenschef gespannt, wie die Präsentation der unter Prada-Regie entworfenen Herrenkollektion im Juni und danach die der Damenkollektion angenommen werden wird. Der Ausbau des Bereichs Accessoires soll laut Bertelli dann in Angriff genommen werden, "wenn wir sehen, wo wir uns mit der Konfektion positioniert haben."

In den ersten sechs Monaten hat der Konzern-Umsatz um zehn Prozent zugelegt, 1999 war er um 5,8 Prozent auf 226,6 Mill. DM gestiegen. Allerdings ging der Inlandsumsatz um 5,1 Prozent auf rund 79 Mill. DM zurück, was zum Teil auf eine Bereinigung der Händlerstrukturen zurückgeführt wurde. "Der Stil der Marke hat nicht den Anforderungen des deutschen Marktes entsprochen", räumte Bertelli ein. Dagegen stieg der Auslandsanteil um rund vier Prozentpunkte auf 64,4 Prozent.

Die Erträge sollen in diesem Jahr über dem Jahresüberschuss 1999 von 8,1 Mill. DM liegen, was einem Zuwachs von 26,6 Prozent entsprach. "Die Ergebnisse von 1999 zeigen, dass sich schon in den letzten vier Monaten eine Kostenreduzierung auswirken konnte", berichtete Bertelli. Synergieeffekte sieht er beispielsweise im Einkauf und in der Logistik. Die Aufwendungen zur Reorganisation wurden mit einem "hohen einstelligen Millionenbetrag" angegeben. "Unser Hauptproblem sind nicht die Preise sondern die Kosten", ergänzte der Manager.

Zur "Verstärkung der Markenidentität" soll der Verkauf der Damenoberbekleidung in Hamburg bleiben sowie die Produktion in Ellerau (bei Hamburg) in den kommenden drei Jahren ausgebaut werden. Die Politik, auf eigene Shops zu setzen, begründete Bertelli mit der langfristigen Markenstrategie. Dagegen sei die Politik von Franchisenehmern darauf ausgerichtet, kurzfristig Kasse machen zu wollen. Jil Sander führt elf eigene Läden, darunter seit jüngstem drei in den USA und einen in Paris. London und New York sind in der Planung, in Japan und Korea werde geprüft, ob sich Franchiseverträge auflösen lassen. Die Zahl der Franchisenehmer wurde 1999 von 57 auf 54 reduziert. Die Zahl der Mitarbeiter stieg auf 466 (454).

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