Modellversuch der Techniker Krankenkasse
Große Krankenkassen lehnen Selbstbehalt-Tarif ab

Die großen gesetzlichen Krankenkassen haben die Einführung eines Selbstbehalt-Tarifs nach dem Vorbild der Techniker Krankenkasse (TK) abgelehnt. Bei den Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK), Barmer, Deutscher Angestellten-Krankenkassen (DAK) und den Innungskrankenkassen (IKK) hieß es am Donnerstag, die Einführung eines solchen Modells sei nicht geplant.

Reuters BERLIN. Das System führe zu finanziellen Belastungen der Kassen sowie zu einem erheblichen Verwaltungaufwand. Zudem sei der Tarif ungerecht, da nur gesunde Versicherte begünstigt würden. Die Betriebskrankenkassen (BKK) zeigten sich offen für das Modell. AOK und Barmer brachten ein Bonus-Modell für Versicherte ins Gespräch, die durch Vorsorgemaßnahmen ihren Gesundheitszustand stärken.

Ein AOK-Sprecher bezeichnete das TK-Modell als "reine Marketingmaßnahme, die die TK viel Geld kosten wird". Die Kasse werde damit ihr Defizit erhöhen und ihre Beiträge deshalb anheben müssen. Ein DAK-Sprecher sagte, das TK-Modell entspreche nicht der Grundidee der solidarischen Krankenkasse. Bei der IKK hieß es, es bestehe die Gefahr, dass Versicherte Arztbesuche aufschieben, um den Bonus nicht zu verlieren. Dadurch könnten sich kleine Beschwerden zu chronischen Erkrankungen auswachsen.

Ein Sprecher der Barmer sagte, bei früheren Modellversuchen habe sich das Selbstbehalt-System als nicht sinnvoll erwiesen. Da in der Regel nur gesunde Versicherte den Selbstbehalt-Tarif wählten, würde die für die Kassen nur finanzielle Belastungen aber keine Ersparnisse bedeuten. Zudem habe sich erwiesen, dass die Inanspruchnahme von Leistungen so nicht gesteuert werden könne. Auch die Verwaltungskosten seien sehr hoch. Die Barmer erwäge jedoch, Versicherten einen Bonus für die Teilnahme an Präventionskursen zu gewähren. Dafür müsse die Bundesregierung jedoch erst die gesetzliche Voraussetzung schaffen. Auch die AOK zeigte sich offen für ein Bonus-Modell für Vorsorge. Ein Bonus könne dabei etwa in der Gewährung von Zusatzleistungen oder der Absenkung der Zuzahlungen für Arzneimittel bestehen.

Auch der BKK-Bundesverband verwies auf seine Modellversuche. Die medizinische Versorgung habe sich dabei nicht verbessert. Die Kassen hätten zudem kein Geld gespart. Dennoch beobachte der BKK das TK-Projekt mit Interesse. Zeige sich dadurch eine Steuerungsmöglichkeit für die ärztliche Versorgung, werde auch die BKK ähnliche Systeme einführen.

Die Techniker Krankenkasse bietet ihren neuen Tarif ab dem 1. Januar 2003 an. Damit verpflichtet er sich, die ersten 300 Euro für Behandlungen selber zu übernehmen. Maximal 60 Euro davon muss er aus der eigenen Tasche zahlen, da die Kasse dem Versicherten zu Beginn des Jahres einen Bonus von 240 Euro auszahlt. Geht der Versicherte nicht zum Arzt, kann er die 240 Euro behalten. Geht der Versicherte nicht zum Arzt, kann er die Bonuszahlung behalten. Für Vorsorgeuntersuchungen wie Krebsfrüherkennung oder die jährliche Überprüfung beim Zahnarzt trägt die Kosten weiterhin die Kasse. Auch für Arztbesuche von mitversicherten Kindern unter 18 Jahren zahlt die Kasse.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%