Modeschöpferin wieder in ihrer alten Firma
Jil Sander kehrt an Konzernspitze zurück

Überraschung für die Modewelt: Jil Sander ist zurück. Die Modeschöpferin, die sich vor drei Jahren nach der Übernahme durch den italienischen Prada-Konzern aus ihrem Unternehmen zurückzog, übernimmt wieder die Verantwortung für das Design in ihrer Hamburger Gründungsfirma Jil Sander AG.

HB/dpa HAMBURG. Sie wird als Vorstandschefin des zuletzt mit roten Zahlen belasteten Unternehmens agieren, wie eine Sprecherin am Mittwoch bestätigte.

Es kommt fast schon einer Sensation gleich, dass sich die kompromisslose Modeschöpferin wieder mit Prada-Chef Patrizio Bertelli arrangiert, der einst ihren Rückzug auslöste. Mit wenigen Worten kommentierte die öffentlichkeitsscheue Sander, die seit ihrem Ausscheiden in 2000 ins Privatleben abgetaucht ist, ihre Rückkehr: "Ich bin hocherfreut über diese Entwicklung, die für beide Seiten positiv ist", sagte Jil Sander. Sie freue sich darauf, ihre Arbeit fortzusetzen und das kreative Jil Sander-Konzept zu perfektionieren. Das werde der von ihr gegründeten Firma eine Zukunft geben. Offen blieb, ob der derzeitige Designer der Sander-Kollektionen, Milan Vukmirovic, im Unternehmen bleibt.

1999 hatte Prada die Kontrolle an der börsennotierten Gesellschaft übernommen, alles sah nach einer Traumhochzeit aus. Doch für die anvisierten Synergien mit Prada wollte Sander keine Abstriche an der Qualität ihrer Kollektionen machen. Die Herbst/Winter-Kollektion 2000 wurde ihre letzte, bei ihrem Abschied flossen in der Modewelt reichlich Tränen.

"Ich bin froh, dass Jil diese wichtige Entscheidung getroffen hat", sagte Prada-Chef Patrizio Bertelli laut Mitteilung. "Ich bin sicher, dass sie im Unternehmen die Motivation und die Ressourcen findet, die sie benötigt, um ihre Ideen und Kreativität umzusetzen." Gründe, warum er die einst als Deutschlands bedeutendste Modemacherin gefeierte Sander zurückholte, nannte Bertelli nur indirekt. Er sei sicher, dass auch die Geschäftszahlen von der Rückkehr Sanders profitieren werden, merkte der Prada-Chef an. Der Fehlbetrag für 2002 summiert sich auf 26,3 Mill. ? (Vorjahr: 10,7 Mio Euro), der Konzernumsatz blieb mit rund 139 Mill. ? unverändert.

Auch Bertellis Ehefrau Miuccia, Prada-Erbin und selbst Designerin, freut sich über die Entscheidung der Hamburger Modeschöpferin, die im November dieses Jahres 60 Jahre alt wird. Sander wird mit Bertelli und seiner Ehefrau im Strategiegremium der niederländischen Muttergesellschaft Prada Holding N.V. vertreten sein. Offen blieb, ob Sander auch wieder Aktien an der AG erwirbt. Ihre restlichen Stammaktien (25 %) hatte sie 2002 an Prada verkauft.

Die aus Wesselburen in Schleswig-Holstein stammende Sander hatte den Grundstein für ihre Firma 1968 mit einer Boutique im feinen Hamburger Stadtteil Pöseldorf gelegt. Sie brachte dann eine eigene Kollektion heraus und wurde für ihren klassisch-zeitlosen Stil bekannt. Sanders Renommee wuchs, auch auf den internationalen Laufstegen. "Ich wollte etwas verändern; das sah ich wie eine Mission", sagte Sander einst. Die Modewelt darf gespannt sein, was sie nun mit ihren Kollektionen bewegen wird.

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