Modeunternehmen und Lebensmittelhersteller bauen ihren Marktanteil kontinuierlich aus
Spanische Unternehmen nutzen ihre Chance

Spanische Unternehmen haben in Deutschland Großes vor. "Ein Wachstum von jährlich zehn Prozent?" Javier López García-Asenjo, zuständig für das internationale Geschäft beim galizischen Fischkonservenhersteller Calvo, blickt zweifelnd. Das sei "das Mindeste".

MADRID. Mit Thunfischkonserven macht der spanische Marktführer zur Zeit erst 1 Mill. Euro Umsatz, Ende des Jahres sollen die deutschen Verbraucher mit innovativen Fischkonserven aber richtig auf den Geschmack gebracht werden.

Vor allem die spanische Lebensmittel- und Modebranche sieht trotz der wirtschaftlichen Krise in Deutschland ihre Chance. Beispiel Mango: Die Modekette, die 1996 den Sprung nach Deutschland gewagt hatte, plant noch für das zweite Halbjahr die Eröffnung von sechs weiteren Läden und wird damit in 40 deutschen Städten präsent sein. Auch das börsennotierte Modeunternehmen Cortefiel, ebenfalls vor sieben Jahren in Deutschland gestartet, blickt wieder optimistischer in die Zukunft. "Die Zahlen sind noch nicht zufrieden stellend", sagt Cortefiel-Manager Ignacio Sierra, der für 2002 von einem knapp 11%igen Umsatzminus in Deutschland berichtet. Deutschland ist neben Portugal der wichtigste Absatzmarkt für die Spanier. Doch bei der Hauptmarke "Springfield" ziehen die Umsätze Sierra zufolge seit drei Monaten wieder an. Trotzdem: "Die Krise in Deutschland erwischt uns in einem schlechten Moment." Sorgen bereitet die Kette "Werdin", deren 67 Läden Cortefiel vor drei Jahren gekauft hatte und in "Springfield"-Geschäfte umgewandelt werden sollen.

Der dritte große Player der spanischen Modebranche, Inditex, übt sich in Zurückhaltung. Derzeit gebe es keine Pläne für weitere Eröffnungen in Deutschland, heißt es in der Zentrale. Das deutet zumindest auf eine Verlangsamung der Expansion hin. Seit 1999 hat Inditex 27 Läden in Deutschland eröffnet, 24 davon der Erfolgsmarke "Zara". Akzeptanzprobleme scheinen die Galicier indes nicht zu haben: im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres (31. Januar) erhöhte sich Inditex zufolge der in Deutschland erzielte Umsatz um 14 %.

"Die spanischen Marken entwickeln sich sehr gut", meint Margit Jandali, Geschäftsführerin der Modemedia GmbH in Düsseldorf. "Die ersten Schwierigkeiten mit den Passformen sind überwunden, die Qualität ist deutlich besser geworden. Da ist noch viel drin. Auch die Schuhindustrie ist sehr erfolgreich." Designermarken dagegen "haben den Einstieg in den deutschen Markt noch nicht gefunden."

Potential in Deutschland birgt offenbar auch das Geschäft mit alkoholischen Getränken. Sowohl Osborne als auch Freixenet, beide seit mehr als zwei Jahrzehnten in Deutschland vertreten, widersetzen sich 2002 nicht nur dem rückläufigen Markttrend bei Produkten wie Sherry, Brandy (Osborne) sowie Sekt (Freixenet). Auch ihr neues Weinangebot scheint gut beim Verbraucher anzukommen: So geht Osborne 2003 von einem Umsatzplus in Deutschland von etwa 23 % auf 29 Mill. Euro aus - vor allem durch Einführung seines ersten Rotweins. Deutschland ist für Osborne nach Spanien und den USA der drittwichtigste Markt. Freixenet plant konservativer und will seine Position nach einem Plus 2002 zunächst stabilisieren, denkt aber bereits über die Einführung neuer Produkte nach.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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