Mögliche Nemax-50-Aufsteiger rücken in den Blickpunkt
Kurzfristig steigende Kurse bei neuen Index-Kandidaten erwartet

Privatanleger, die sich Aktien von bestimmten Unternehmen kaufen möchten, sollten auch deren Indexzugehörigkeit beachten. Denn wenn eine Aktie in einen großen Index wie beispielsweise den Nemax-50 für die größten Werte am Neuen Markt aufgenommen wird, profitiert auch der Aktienkurs.

FRANKFURT/M. Vor diesem Hintergrund sind derzeit die in der Halbleiter-Branche tätige Dialog Semiconductor, der Strom- und Wärmeerzeuger Plambeck Neue Energien und der Systemanbieter Funkwerk interessant. Sie gelten als heiße Kandidaten für den Nemax 50, wenn sich am Mittwoch der Arbeitskreis Indizes der Deutschen Börse zusammensetzt. Nach der aktuellen Rangliste Aktienindizes Oktober, die als Grundlage für die Entscheidung am Mittwoch gilt, erfüllen alle Unternehmen die so genannte 60/60-Regel. Das heißt, sie stehen sowohl bei der Marktkapitalisierung als auch beim Umsatz mindestens auf Platz 60 und könnten am 21. Dezember aufgenommen werden.

Als Abstiegskandidaten gelten hingegen Biodata, Ixos und Trintech. "Zu Gunsten der Indexkontinuität hält die Börse diese Regeln jedoch nicht immer starr ein", bemerkte Analyst David Kohl vom Bankhaus Julius Bär. Schließlich schwanke gerade bei Unternehmen des Neuen Marktes die Marktkapitalisierung, also die Anzahl der Aktien multipliziert mit ihrem Kurs, sehr stark. Der mögliche Aufstieg in einen Index allein sei daher noch kein Kaufargument.

Eine Studie der Universität Erlangen-Nürnberg hat bereits 1999 herausgefunden, dass Indexaufnahmen positive Kurseffekte haben. Wer die Aufnahme eines Unternehmens in ein bestimmtes Kursbarometer zutreffend vorhersage, könne Gewinne einstreichen, heißt es. Verlässt ein Titel dagegen einen Index, sei mit Kurseinbußen zu rechnen.

Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen können Spekulationen auf eine baldige Index-Zugehörigkeit die Kurse der Aufstiegs-Kandidaten treiben. Steht die Aufnahme dann fest, müssen den Index nachbildende Aktienfonds diese Titel nachkaufen.

Sollten die oben genannten Unternehmen in den Nemax-50 vorrücken, seien Kurseffekte zu erwarten, glaubt auch Volker Borghoff, Strategie-Analyst bei HSBC. Diese dürften sich allerdings auf den Zeitraum kurz vor bis kurz nach der Bekanntgabe der Index-Aufnahme beschränken. "Wer auf solche Effekte setzt, handelt schließlich sofort und nicht erst nach einer Woche", erklärte Borghoff. Da zudem nur wenige Fonds den gesamten Nemax-50 nachbildeten, sei ihr Einfluss eher zu vernachlässigen.

Untersuchungen haben ergeben, dass sich Aktien von Aufstiegskandidaten kurz vor der Ankündigung bis zur tatsächlichen Aufnahme in einen Index besser als der Marktdurchschnitt entwickeln. Sind sie dann im Index enthalten, fallen sie zurück. Einer Studie von Commerzbank Securities über Indexeffekte am Neuen Markt zufolge haben Nemax-50-Aufsteiger im vergangenen Jahr im Durchschnitt von der Entscheidung bis zur Index-Anpassung über 3 % zugelegt, während der Gesamtmarkt 1,34 % und die Absteiger im Mittel 13,7 % verloren haben. Vier Wochen nach der Anpassung hätten die Neueinsteiger dann 23,5 % abgegeben, der Gesamtmarkt büßte hingegen nur 13 % und die Absteiger gut 15 % ein.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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