Mögliche Zukäufe in Europa
Dresdner Bank forciert Filialabbau

Die Dresdner Bank dünnt ihr inländisches Filialnetz schneller aus, als ursprünglich geplant. Von den insgesamt 1 150 Geschäftsstellen sollen 300 geschlossen werden. Bis auf 40 oder 50 Filialen werde dieser Prozess bereits 2001 abgeschlossen sein. Dies kündigte Vorstandssprecher Bernd Fahrholz am Mittwochabend im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten an.

dpa/rtr FRANKFURT/MAIN. Dem gesamten Umbau der Dresdner Bank sollen - nach dem spektakulären Scheitern der Fusionsverhandlungen mit der Deutschen Bank - jede zehnte der 50 000 Stellen zum Opfer fallen. Im Filialnetz werden 2 900 und im übrigen Apparat 2 100 Arbeitsplätze zur Kosteneinsparung gestrichen.

Im Gegensatz zum Branchenführer Deutsche Bank will das grüne Geldhaus das breite Kundengeschäft nicht ausgliedern (Bank 24). Nicht zuletzt wegen der riesigen Erbschaftswelle in Deutschland komme aus dieser Kundenschicht eine steigende Nachfrage nach lukrativer Vermögensberatung. Fahrholz stellte allerdings eine Anhebung der Gebühren für einfache Bankdienstleistungen im Massengeschäft in Aussicht. "Wir wollen dieses Geschäft nicht auf Dauer quersubventionieren."

Die aktuell schlechte Stimmung an den Börsen schlägt mittlerweile auf die Gewinnentwicklung der Dresdner Bank durch. Während in den ersten neun Monaten die Provisionserträge mit einer Steigerung von 35 % noch sprudelten, gehe der Provisionsüberschuss auf Grund nachlassender Aufträge der privaten Anleger zurück. Nähere Aussagen dazu wollte Fahrholz allerdings nicht machen.

Mögliche Zukäufe in Europa

Ferner will die Dresdner Bank nach den Worten ihres Vorstandssprechers Bernd Fahrholz in Europa selektiv zukaufen. Dabei gehe es um Ziele im Bereich der Beratung vermögender Privatkunden, sagte Fahrholz am Mittwochabend im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten. Auf das breite Kundengeschäft (Retailbanking) werde sich die Bank im Inland konzentrieren, nicht jedoch in Europa.

Die Dresdner Bank habe bei ihrer strategischen Ausrichtung auf die Euro-Zone noch Nachholbedarf. "Wir sind in Europa noch nicht hinreichend aufgebaut", sagte Fahrholz. Außer dem Hinweis "ich reise öfter nach Frankreich", hielt sich Fahrholz jedoch in diesem Punkt bedeckt. Die Dresdner Bank wolle kein Global Player sein, aber auch keine Regionalbank in der Euro-Zone. Im Inland gebe es für sein Haus in überschaubarem Zeitrahmen keine Fusionspartner.

Die Investment Sparte sei dagegen mit wiederaufgefüllten Teams in London und Frankfurt sowie dem Erwerb der amerikanischen Wasserstein Perella Group gut aufgestellt. Auch die Online Advanced Bank-Tochter werde 2001 in die Gewinnzone kommen. Zu einem späteren Zeitpunkt könne die Advanced Bank auch an die Börse gebracht werden.

Vertrauensvolles Verhältnis mit Allianz-Chef

Das Verhältnis zum Großaktionär Allianz sei vertrauensvoll. "Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle und ich sprechen regelmäßig miteinander, und ich habe den Eindruck, diese Gespräche sind von Vertrauen geprägt", sagte Fahrholz. Beide Unternehmen haben einen Kooperationsvertrag über den gegenseitigen Vertrieb von Versicherungs- und Investmentprodukten. Die Allianz hält 21,6 % an der Dresdner, die wiederum mit 10 % an dem Versicherungskonzern beteiligt ist. Seit Monaten spricht die Allianz allerdings auch mit der Deutschen Bank über eine Kooperation im Filialgeschäft. Sollte die Allianz sich an der Filialtochter Deutsche Bank 24 beteiligen und damit eine weitere Vertriebsschiene erhalten, werde dies natürlich die Kooperation von Dresdner und Allianz beeinflussen, sagte Fahrholz.

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