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Mögliche Zweidrittel-Mehrheit ist der CSU gar nicht genehm

Die Christsozialen stehen in den Umfragen gut da - so gut, dass sogar eine Zweidrittel-Mehrheit der Sitze im bayerischen Landtag möglich erscheint. Davon will die CSU aber vorerst nichts wissen.

dpa MÜNCHEN. Dass in Bayern die Uhren ein bisschen anders gehen, ist eine weit verbreitete Vermutung. Mit der Landtagswahl an diesem Sonntag (21. September) könnte sie sich bestätigen: Denn nach den Prognosen hat die seit fast 40 Jahren allein regierende CSU Chancen, eine Zweidrittelmehrheit im Landesparlament einzufahren - ein Rekordergebnis, das bisher in der Geschichte der Bundesrepublik noch keiner Partei gelungen ist.

Die CSU ist von der Idee zumindest vorerst nicht gerade begeistert. Sie fürchtet, dass ihre Anhänger das Rennen für längst gelaufen halten und deshalb gar nicht erst zur Wahl gehen. Zudem versuchen die anderen Parteien im Endspurt gemeinsam, mit dem Schreckgespenst einer übermächtigen CSU die große Zahl der bislang unentschiedenen Wähler wachzurütteln. "Macht braucht Kontrolle", plakatiert die SPD in großen Lettern auf bedrohlich schwarzem Grund.

Zwar hat eine Zweidrittelmehrheit in Bayern keine verfassungsändernde Kraft - ein Eingriff ins weißblaue "Grundgesetz" bedarf immer der Zustimmung des Volkes. Dennoch hätte der Sprung über die magische 66,6-Prozent-Marke selbst für die erfolgsverwöhnte CSU gewaltige Wirkung: Der Parteivorsitzende und bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (61) bekäme eine Machtposition wie vor ihm kein anderer Landesregent. In der Union ginge gegen seinen Willen nichts mehr.

Bewusst versucht Stoiber, allzu hochfliegende Erwartungen zu dämpfen. "Mein Wahlziel ist 50 Prozent plus x", versichert er vergleichsweise bescheiden. Ein Jahr nach seiner knapp gescheiterten Kanzlerkandidatur hat der CSU-Chef die Auseinandersetzung mit Rot- Grün in den Mittelpunkt seiner Kampagne gestellt: Er will die Bayernwahl zu einem "Denkzettel" für den damals siegreichen Gegner, Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), machen.

Der Kanzler selbst hält sich im weißblauen Wahlkampf zurück. Nur drei Mal kam er zu öffentlichen Auftritten in den Freistaat. Angesichts des quälenden Tauziehens um die Reformprojekte in Berlin bläst der Bayern-SPD der Gegenwind kräftig ins Gesicht. Seit Monaten dümpelt sie in Umfragen zwischen 20 und 22 Prozent dahin - das wäre ihr mit Abstand schlechtestes Ergebnis der Nachkriegsgeschichte. Spitzenkandidat Franz Maget mag sich von derlei Widrigkeiten nicht bange machen lassen. Unverdrossen kämpft der 49-jährige Sozialwissenschaftler um Zustimmung und persönliche Bekanntheit. Vielen ist Maget immer noch kein Begriff. "Wenn mich jeder wählt, der mich kennt, bin ich schon zufrieden", scherzt er gern. Die Grünen liegen den Prognosen zufolge konstant bei acht Prozent und könnten damit um fast ein Drittel gegenüber 1998 zulegen.

Ein Schlüsselrolle kommt wider Erwarten den kleinen Parteien zu.

"Nur wir können eine Zweidrittelmehrheit der CSU verhindern", haben Freie Wähler und FDP unisono als Parole ausgegeben. Das stimmt - allerdings nur, wenn sie in den Landtag einziehen. Scheitern sie wie 1998 und wie erneut vorhergesagt an der Fünf-Prozent-Hürde, kommen ihre Stimmen indirekt den großen Parteien zugute. Die CSU könnte dann der jüngsten ARD-Umfrage zufolge mit 59 Prozent der Stimmen 122 Sitze im Münchner Maximilianeum bekommen - sogar noch zwei mehr als für die Zweidrittelmehrheit nötig.

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