Möglicher Deal darf Liquidität nicht verschlechtern
Infineon spricht mit Taiwanesen über Chip-Kooperation

Der Halbleiter-Hersteller Infineon Technologies AG führt nach dem Scheitern der Verhandlungen mit Toshiba nun mit drei taiwanischen Anbietern Gespräche über eine Kooperation bei Speicherchips, sieht sich aber nicht unter Zugzwang.

rtr MüNCHEN. Infineon spreche mit den Unternehmen Winbond, Mosel Vitelic und Nanya Technology über eine Zusammenarbeit in dem gebeutelten Geschäft mit den so genannten DRAMs, sagte Vorstandschef Ulrich Schumacher am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Infineon sei aber nicht unter Druck, seinen Marktanteil bei DRAMs durch Kooperationen zu vergrößern. "Als Kostenführer sind wir stark genug, es alleine zu schaffen", sagte Schumacher.

Aus eigener Kraft könne Infineon im weltweiten Markt für Speicherchips, der derzeit unter der schwersten Krise in seiner Geschichte leidet, im nächsten Jahr einen Marktanteil von 15 bis 20 % erreichen, sagte der Infineon-Chef weiter. "Mit Kooperationen könnte man das nach oben noch ausbauen." Eine Zusammenarbeit mit den taiwanischen Firmen, die zusammen einen DRAM-Marktanteil von rund neun Prozent aufweisen, sei für Infineon naheliegend, weil sie die gleichen Technologien verwendeten. Mit Mosel betreibt Infineon bereits das Joint Venture Promos, in dem der Münchener Konzern einen Anteil von gut 30 % hält.

In der Branche spreche derzeit jeder mit jedem, sagte Schumacher zudem. Auch Infineon schaue sich außer den taiwanischen Wettbewerbern noch andere Optionen an, unter anderem Hynix. Nach wie vor gelte, dass ein Deal die Liquidität von Infineon nicht verschlechtern dürfe. Hynix verhandelt derzeit mit dem Branchenführer Micron über eine Zusammenarbeit bei DRAMs. Die Verhandlungen von Infineon und Toshiba über die Gründung eines DRAM-Gemeinschaftsunternehmens waren Anfang der Woche überraschend gescheitert. Analysten sehen Infineon nun unter Druck, einen anderen Partner zu finden.

Infineon will trotz der aktuellen Probleme auf jeden Fall am DRAM-Geschäft festhalten. Das Geschäftsfeld hatte dem Konzern im abgelaufenen Geschäftsjahr (zum 30. September) einen operativen Gesamtverlust von 1,02 Mrd. ? beschert. "Speicherchips sind ein essenzieller Bestandteil des Infineon-Geschäfts", sagte Schumacher. Auch ein Joint Venture mit Toshiba wäre kein Ausstiegsszenario aus dem DRAM-Geschäft gewesen. Mittelfristig strebe er für Infineon eine Umsatzverteilung von 30 % Speicherchips und 70 % Logikchips an. Bei normalen Preisen würde der Speicherchipanteil am Umsatz derzeit bei 36 % liegen. "Der Logikbereich muss schnell wachsen, damit Infineon eine Balance findet", sagte Schumacher. Dabei halte der Konzern aber an der Strategie fest, organisch zu wachsen und nur Know-How hinzu zukaufen. Nur wenn sich eine günstige Gelegenheit ergäbe, würde Infineon bei Logikchips auch Umsatz hinzu kaufen.

Für die Entwicklung des Gesamtgeschäftes gab sich Schumacher verhalten optimistisch. Es gebe bereits positive Anzeichen für eine Erholung des Chipmarktes. Ob das schon eine Trendwende bedeute, sei noch nicht klar. Dazu müsse man die Entwicklung der nächsten Monate abwarten. Die Preise von Speicherchips, die vor allem in PCs eingesetzt werden, hätten sich in den letzten vier Wochen in etwa verdoppelt, würden aber immer noch unter den Fertigungskosten liegen. Prognosen für die weitere Preisentwicklung und damit das DRAM-Geschäft seien schwierig. Auch der Mobilfunkmarkt zeige Erholungstendenzen. Bei Chips für die Automobilindustrie rechne er im nächsten Jahr aber mit einem härteren Wettbewerb und Preisdruck, der aber nur wenige Prozent ausmachen werde. Im letzten Quartal war die Sparte Automobil- und Industrieelektronik als einzige bei Infineon profitabel gewesen.

Schumacher wiederholte frühere Äußerungen, wonach der Konzern derzeit keinen Kapitalbedarf habe. Es seien daher momentan auch keine Kapitalmaßnahmen geplant. Infineon verfüge zurzeit über Kreditlinien von zwei Mrd. ?.

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