Möglicher Einfluss auf den Börsengang von T-Mobil
Telekom verzichtet auf UMTS-Teilnahme in Frankreich

Der Verzicht des Bonner Konzerns ist auf sehr geteiltes Echo gestossen. Ein Analyst von Merck Finck sprach sogar von einem erheblichen Rückschlag für das Unternehmen.

vwd DÜSSELDORF. Der Verzicht der Deutsche Telekom AG, Bonn, auf eine Teilnahme an der UMTS-Lizenzvergabe in Frankreich ist bei Analysten auf ein geteiltes Echo gestoßen. Das Spektrum der Kommentare reichte am Mittwoch von "großer Fehler" bis "vernünftige Entscheidung". Theo Kitz von Merck Finck sprach von einem erheblichen Rückschlag für die Telekom, die damit in die zweite Liga der UMTS-Anbieter abrutsche. Mit Frankreich, Italien und Spanien sei der Konzern in "enorm wichtigen Märkten" zunächst nicht vertreten. Eine "Landkarte mit vielen weißen Flecken" werde sich auch negativ auf den ab nächstem Frühjahr geplanten Börsengang von T-Mobile auswirken.

Klaus Natrop von der WGZ Bank meinte, in strategischer Hinsicht sei die Entscheidung, nicht an dem Schönheitswettbewerb um die französischen Konzessionen für den Mobilfunk der dritten Generation teilzunehmen, inkonsequent, da die Telekom bereits via Internet und Telefonfestnetz in dem Land präsent sei und insofern "Anknüpfungspunkte" für die drahtlose Kommunikation hätte. Unter Finanzierungsgesichtspunkten äußerte der Analyst hingegen Verständnis für den Beschluss des Konzerns, da er erhebliche Schulden habe. Von einem Rückschritt in der europäischen Mobilfunkstrategie der Telekom zu sprechen, wäre unangebracht.

Beide Experten sind außerdem der Ansicht, dass der Ex-Monopolist zu einem späteren Zeitpunkt in Frankreich wie auch in Italien oder Spanien die Möglichkeit des Kaufs von oder der Kooperation mit Lizenzinhabern hätte oder auch als Virtueller Netzbetreiber - also als eine Art UMTS-Service Provider - fungieren könnte. Wegen der hohen Kosten für den Netzaufbau wird UMTS-Betreibern ein grundsätzliches Interesse an Partnerschaften nachgesagt. Kitz hält in Frankreich ein späteres Zusammengehen mit Bouygues Telecom oder dem Konsortium aus Suez Lyonnaise und der spanischen Telefonica für denkbar.

Eine Akquisition ist nach Ansicht des Analysten zumindest bis nächsten Sommer sehr unwahrscheinlich, da sie über Aktientausch abgewickelt werden und dazu erst der Kurs der T-Aktie wieder deutlich anziehen müsste. Als Befürworterin des Lizenzverzichts erweist sich Petra Heist, die für die HypoVereinsbank die Telekom beobachtet. Frankreich sei ein sehr hart umkämpfter Markt, in dem es nicht einfach gewesen wäre, ohne Mobilfunkkunden und-netz zu starten. Außerdem sei bei dem Beauty Contest um die vier Lizenzen fraglich, ob die Telekom gegenüber den anderen Interessenten, darunter drei bestehenden Betreibern, überhaupt eine Chance gehabt hätte.

Sinnvoller sei die Konzentration auf Märkte wie Österreich oder Großbritannien, wo die Telekom Lizenzen erworben hat. Damit macht sich die Analystin die Argumentation des Unternehmens selbst zu eigen. Langfristig will die in Darmstadt ansässige Tochter T International-Mobile AG nach den Worten ihres Vorsitzenden Kai-Uwe Ricke allerdings nicht auf eine UMTS-Präsenz in den romanischen Ländern Europas verzichten. "Wenn wir ein globaler Betreiber der dritten Mobilfunkgeneration sein möchten, können wir es uns nicht leisten, in Spanien, Italien und Frankreich nicht vertreten zu sein", sagte Ricke der Zeitung "Les Echos". Es werde noch viele Gelegenheiten geben, dort Fuß zu fassen.

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