Möglicherweise entscheidende Phase
Al Gore drängt auf mehr Tempo für Nachzählung

Im juristischen Tauziehen um die US-Präsidentenwahl drängt der demokratische Kandidat Al Gore auf mehr Tempo. "Sieben Tage, von morgen an, für eine vollständige und genaue Zählung", sagte Gore, nachdem seine Anwälte am Dienstag vor einem Bezirksgericht in Florida die Nachzählung von 13 300 Stimmen beantragt hatten.

ap WASHINGTON. Der Richter setzte für Samstag eine Anhörung an und verfügte, die umstrittenen Stimmzettel sollten für den Fall nach Tallahassee gebracht werden, dass er einer Nachzählung zustimmt. Der republikanische Kandidat George W. Bush flüchtete unterdessen vor den Demonstrationen aus Austin und zog sich auf seine Ranch in Crawford zurück.

Gores Anwälte, die möglichst schnell einen für den Vizepräsidenten günstigen Richterspruch zu erreichen suchen, zeigten sich von der Entscheidung des Bezirksrichters enttäuscht. Die Berater des demokratischen Präsidentschaftsbewerbers fürchten, dass sich die öffentliche Meinung in den nächsten Tagen gegen Gore wenden könnte. Nach drei Wochen voller Ungewissheit über den Wahlausgang werden die Amerikaner zunehmend ungeduldig. Vor Journalisten in Washington verteidigte Gore sein Vorgehen erneut mit den Worten: "Was ist falsch daran, die Stimmen zu zählen?"

Bush plant Einzug ins Weiße Haus

Das Lager der Republikaner reagierte auf den Antrag Gores mit Unverständnis. "Er schlägt schon wieder eine weitere Zählung und eine weitere Frist vor", sagte die Sprecherin von Bush, Karen Hughes. "Der gesunde Menschenverstand lässt das nicht zu." Ähnlich äußerte sich Dick Cheney, Bushs Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten. "Wir hatten die Wahl, wir hatten die Zählung, wir hatten die Nachzählung." Gore solle das Wahlergebnis von Florida anerkennen, wo Bush am Sonntag mit einem Vorsprung von 537 Stimmen zum Sieger erklärt worden war. Damit stehen dem Republikaner die 25 Wahlmännerstimmen des US-Staats zu, die letztlich darüber entscheiden, wer 43. Präsident der USA wird.

Bush schickte Mitarbeiter nach Washington, die seinen Einzug ins Weiße Haus vorbereiten sollten. Zudem erhielt er vom Weißen Haus die Zusage, dass er von nun an täglich vom Geheimdienst CIA mit Informationen zur nationalen Sicherheit versorgt wird. Gore erhält diese Informationen ohnehin in seiner Eigenschaft als Vizepräsident. Angesichts des knappen Wahlausgangs will Bush auch demokratische Politiker in sein Kabinett aufnehmen, wie sein designierter Stabschef Andrew Card mitteilte.

Bush stellt sein Kabinett frühestens nächste Woche vor

Cheney sagte dem Nachrichtensender CNN, die möglichen Regierungsmitarbeiter sollten ihre jetzigen Stellen noch nicht aufgeben. Aus Kreisen der Republikaner verlautete, besonders der für das Amt des Außenministers vorgesehene General Colin Powell habe sich angesichts der ausstehenden Gerichtsentscheidungen gegen eine Vorstellung des Kabinetts gewehrt. Ein Berater erklärte, Bush werde frühstens in der kommenden Woche seine Minister präsentieren.

Im US-Staat New Mexico ist die offizielle Verkündung des Ergebnisses der Präsidentenwahl auf Donnerstag verschoben worden. Die Republikaner hatten am Dienstagabend die Nachzählung in einem Bezirk beantragt, in dem auffällig viele Stimmzettel ungültig waren. Bisher führt Gore in New Mexico mit einem Vorsprung von 483 Stimmen vor Bush. Die fünf Wahlmännerstimmen des Staates sind jedoch nicht entscheidend für den Ausgang der Präsidentenwahl.



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