Möglicherweise gibt es neue Variante des Erregers
WHO: Mehr SARS-Fälle in China als offiziell gemeldet

In China liegt die tatsächliche Zahl der Fälle der lebensbedrohlichen Lungenkrankheit SARS nach Einschätzung der WHO höher als offiziell gemeldet. Allein in Peking gebe es bis zu 200 glaubhafte Fälle, obwohl die Zahl der Infizierten von offizieller Seite mit lediglich 37 beziffert worden sei, teilte die Weltgesundheitsorganisation am Mittwoch mit.

Reuters PEKING/HONGKONG. In Hongkong wurden unterdessen fünf weitere SARS-Todesfälle und 36 Neuerkrankungen gemeldet. Wissenschaftler dort teilten mit, möglicherweise hätten sie eine gefährlichere Variante der Lungenkrankheit entdeckt, die auch junge und gesunde Menschen töten könne.

"In der Tat gab es SARS-Fälle - darüber gibt es überhaupt keine Zweifel - die nicht offiziell gemeldet wurden", sagte der deutsche WHO-Virologe Wolfgang Preiser am Mittwoch in Peking. Die chinesischen Militärkrankenhäuser führten offenbar eigene SARS-Statistiken, die nicht mit den zivilen zusammenliefen, sagte Preiser. Sein Kollege Alan Schnur berichtete von bis zu 200 glaubhaften Fällen in Peking, was im Fachjargon der WHO auf bestätigte Fälle hindeutet. "Ich würde schätzen, dass es sich um eine Bandbreite von 100 bis 200 Fällen handelt", sagte Schnur. Auf ihrer Suche nach den Ursachen von SARS besuchten WHO-Experten in Peking zwei Militärkrankenhäuser. Der Besuch galt als Zeichen für eine größere Offenheit der chinesischen Behörden im Kampf gegen die Ausbreitung der Krankheit. Der Besuch in den streng bewachten Hospitälern kam auf Drängen der WHO und der Europäischen Union (EU) zu Stande. Die WHO-Experten wollen die erste Phase ihrer Arbeit in China am Donnerstag abschließen, in drei bis vier Wochen wird mit Ergebnissen gerechnet.

China gilt als Ursprungsland der Krankheit. Ohne Berücksichtigung von Hongkong sind in China bisher mindestens 65 Menschen an SARS gestorben, mehr als 1 440 Menschen haben sich mit dem Virus infiziert. Weltweit gibt es nach WHO-Angaben mehr als 3 200 SARS-Fälle, bis Dienstag seien 154 Menschen an der Krankheit gestorben.

Wirtschaftliche Folgen von SARS: 30 MRD. Dollar

Die Angst vor SARS hat auch die Wirtschaft im Fernen Osten stark beeinträchtigt. Fluggesellschaften strichen Flüge, die Touristen meiden die Region. Geschäfte und Restaurants melden Umsatzrückgänge. Die WHO schätzt die wirtschaftlichen Schäden infolge der Krankheit auf rund 30 Mrd. Dollar.

Wissenschaftler der Universität von Hongkong teilten mit, möglicherweise gebe es einen weiteren SARS-Virus, der weitaus gefährlicher sei als der bereits identifizierte. Bislang waren hauptsächlich Kranke oder ältere Menschen an SARS gestorben. In den vergangenen Tagen waren in Hongkong jedoch auch mehrere Todesfälle bei jüngeren Menschen registriert worden. Die Wissenschaftler bezogen sich auf Ergebnisse von Untersuchungen von Patienten aus dem Amoy-Gardens-Wohnkomplex, die weitaus schwerer erkrankt seien als andere SARS-Infizierte. Der Wohnblock war unter Quarantäne gestellt worden, als die Krankheit dort ausbrach. Selbst medizinisches Personal, dass von den Amoy-Gardens-Patienten angesteckt worden sei, weise schwerere Krankheitssymptome auf, sagte einer der Forscher. "Das könnte mit dem Virus zu tun haben."

Rund ein Viertel der rund 1 230 in Hongkong Infizierten stammten aus Amoy Gardens. Mit den fünf neuen Todesopfern stieg die Zahl der in Hongkong an SARS gestorbenen am Mittwoch auf 61.

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