Möglicherweise Mitwisser des Djerba-Anschlages
Deutscher nahm Terror-Lehrgänge in Afghanistan

Ein in Frankreich gefasster mutmaßlicher deutscher Terrorist war nach Angaben des Pariser Innenministers Nicolas Sarkozy ein "hoher El-Kaida-Verantwortlicher" mit Kontakt zu Osama bin Laden.

HB/dpa PARIS. Der am 3. Juni bei Paris festgenommene Christian G. habe Verbindung zu dem Chef der internationalen Terrororganisation gehabt, sagte Sarkozy am Mittwoch vor der französischen Nationalversammlung. Der 36-Jährige habe sich auch in Afghanistan aufgehalten. Der Minister beschrieb ihn als Spezialisten für Informatik und Telekommunikation.

Der zum Islam konvertierte Christian G. tritt als Abu Ibrahim auf und gilt als Mitwisser des Anschlags auf eine Synagoge auf der tunesischen Ferieninsel Djerba mit 21 Toten, darunter 14 Deutsche.

Der aus Mülheim in Nordrhein-Westfalen stammende Mann hat nach französischen Berichten bestritten, weitere Terroranschläge auf touristische Ziele geplant zu haben. Bei seinem Verhör habe er zugegeben, an Terror-Lehrgängen in Afghanistan teilgenommen zu haben.

Ein anderer mutmaßlicher Islamist, der 34-jährige Marokkaner Karim M., hat den Deutschen laut Sarkozy als "einen der Organisatoren und den Geldgeber" eines Attentats beschrieben, das auf der französischen Übersee-Insel La Réunion gegen eine touristische Einrichtung geplant gewesen sein soll. Der Deutsche habe sich dazu aber nicht geäußert.

Nach dem Anschlag auf die Synagoge war Christian G. in Deutschland kurzfristig festgenommen worden, weil er einen Anruf des tunesischen Selbstmordattentäters erhalten hatte. Auch fanden Ermittler in seiner Wohnung die Telefonnummer des Marokkaners Mounir El Motassadeq, der wegen Beteiligung an den Anschlägen vom 11. September 2001 in Hamburg zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde. Aus Mangel an Beweisen war der in Polen gebürtige Deutsche allerdings wieder freigelassen worden.

Der 36-Jährige soll nach Medienberichten zugegeben haben, den am 1. Juni in Frankreich gefassten Marokkaner flüchtig zu kennen. Von dessen Plan, einen Anschlag auf La Réunion zu verüben, habe er nicht gewusst, gab er an. Der Marokkaner soll 14 Jahre in Deutschland gelebt haben. Nach Erkenntnissen der Pariser Ermittler hatte Karim M. bei einem deutschen Reiseveranstalter für nur eine Nacht ein Zimmer auf der Insel im Indischen Ozean gebucht und dort einen Anschlag geplant. Er war, aus Bremen kommend, auf dem Pariser Flughafen Charles-de-Gaulle festgenommen worden. Er soll gestanden haben, Anschläge auf US-Militäreinrichtungen in Deutschland geplant zu haben.

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