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Möglicherweise neue BSE-infizierte Kuh entdeckt

Reuters BERLIN. In Brandenburg ist ein möglicherweise mit BSE infiziertes Rind entdeckt worden. Landwirtschaftsminister Wolfgang Birthler (SPD) sagte am Donnerstag vor Journalisten in Potsdam, zwar sei eine Gegenprobe zu vier nicht eindeutigen BSE-Testergebnissen negativ gewesen. Man müsse den Fall aber weiter als BSE-Verdacht einstufen, bis das Testergebnis des nationalen Referenzlabors für BSE-Forschung in Tübingen vorliege. Zwischen Bund und Ländern brach unterdessen ein Streit darüber aus, ob Fleischer und Supermärkte Rindfleisch mit dem Hinweis "BSE getestet" versehen dürfen. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sagte, die BSE-Tests würden sich auch auf die Verbraucherpreise niederschlagen.

Die Kuh mit dem Verdacht auf die Rinderseuche BSE stammte nach amtlichen Angaben von einem Hof in Kasel-Goldsieg im Süden Brandenburgs mit einem nur kleinen Bestand von zwölf Rindern. Das Tier war am Montag geschlachtet worden. Da der vorgeschriebene BSE-Schnelltest nicht eindeutig negativ ausfiel, wurde der Test in einem Berliner Labor dreimal wiederholt. Die Tests brachten kein eindeutig negatives Ergebnis. Daraufhin wurde am Mittwoch eine Gegenprobe nach Frankfurt/Oder gebracht, die nach Angaben Birthlers negativ blieb.

Dennoch müsse man weiter von einem BSE-Verdachtsfall ausgehen, bis das Testergebnis aus Tübingen vorliege, sagte Birthler. Dort werde endgültig entschieden, ob das Rind mit BSE infiziert sei oder nicht. Mit dem Ergebnis werde am Montag gerechnet. Bislang wurden nach offiziellen Angaben rund 300 Rinder aus Brandenburg getestet.

BSE-verseuchtes Fleisch kann beim Menschen vermutlich eine neue Variante der bisher unheilbaren Creutzfeldt-Jakob-Krankheit auslösen. Der erste Fall von BSE bei einer deutschen Kuh war vor drei Wochen in Schleswig-Holstein entdeckt worden. Seit gut einer Woche müssen alle Schlachtrinder im Alter über 30 Monate auf BSE getestet werden.

Der Landwirtschafts-Staatssekretär in Nordrhein-Westfalen, Thomas Griese, forderte das Bundeslandwirtschaftsministerium auf, Metzgern und Supermärkten zu erlauben, ihr Fleisch mit der Bezeichnung "BSE getestet" zu versehen. Der Hinweis sei eine zusätzliche Verbraucherinformation und völlig in Ordnung. Jeder wisse, dass der Test nicht bedeute, dass das Fleisch garantiert BSE-frei sei, sagte er im ZDF. Der Hinweis sei auch wichtig, weil zunehmend ältere deutsche Rinder zur Schlachtung ins Ausland gebracht würden, sagte Griese. Dadurch sollten die in Deutschland vorgeschriebenen BSE-Tests umgangen werden, weil weiterhin nicht getestetes Fleisch nach Deutschland importiert werden dürfe.

Die Ministerpräsidenten der Bundesländer wehrten sich in einem Gespräch mit Kanzler Schröder gegen eine finanzielle Beteiligung der Länder an EU-Programmen gegen BSE. Da es um eine Marktbereinigung gehe, sei dies Sache der Europäischen Union (EU) und der Nationalstaaten, nicht der Länder und Kommunen, sagte Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU). Die EU will nur 70 % der Kosten eines BSE-Test- und Schlachtprogramms übernehmen. Der Anteil an dem EU-Programm, den Deutschland übernehmen müsste, beläuft sich nach Schätzungen einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe auf rund 350 Mill. DM.

Schröder sagte, die BSE-Tests würden sich auch auf die Verbraucherpreise niederschlagen. "Gesundheit in der Ernährung hat ihren Preis und wird ihn auch bekommen", sagte er. Eine Arbeitsgruppe von Bund und Ländern soll Vorschläge zur gerechten Verteilung der Kosten machen. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) sagte, die öffentliche Hand könne das Rindfleisch nicht subventionieren.

Forschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) teilte nach Beratungen einer Expertenrunde in Berlin mit, Gesundheits- und Landwirtschaftsministerium wollten in ihren Forschungseinrichtungen die Forschungsarbeiten zu Diagnose und Übertragung von BSE sowie zur Sicherheit von Blut, Blutprodukten und Lebensmitteln intensivieren. Absolute Priorität habe die Entwicklung von Schnelltests, die beim lebenden Rind und beim gesunden Menschen schon vor Ausbruch der Rinderseuche BSE oder der Creutzfeld-Jakob-Krankheit verlässlich Ergebnisse lieferten. Die deutsche Wissenschaft werde sich an Lösungen auf EU-Ebene "aktiv beteiligen".

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