Möglicherweise strafrechtliche Schritte gegen Ford und Firestone
Firestone-Reifen machen nun auch Probleme in Venezuela

Anfang August hatte Firestone rund 6,5 Mill. Reifen in den USA zurückgerufen. Grund waren zahlreiche Unfälle mit Fahrzeugen, bei denen Reifen geplatzt oder sich die Laufflächen abgelöst haben sollen. Dabei sollen nach jüngsten Erkenntnissen in den USA mindestens 62 und in Venezuela 100 Menschen ums Leben gekommen sein. Eine US-Behörde untersucht derzeit die Vorfälle in den Vereinigten Staaten.

Reuters CARACAS. Der Einkaufsmanager von Ford in Venezuela, Hector Rodriguez, sagte, eine firmeninterne Untersuchung habe ergeben, dass bei rund 14 % eines bestimmten Firestone-Reifen-Typs die Gefahr bestehe, dass sich die Laufflächen lösten. "Diese Zahl ist 1 000-mal größer als bei den Reifen in den USA", sagte er. Zuvor hatte Ford zugegeben, von den Mängeln bei Firestone-Reifen seit 1998 zu wissen. Bei den Reifen handelt es sich den Angaben zufolge um die Typen ATX, ATX II und Wilderness, die auf Ford-Geländewagen und Pickup-Pritschenwagen montiert werden.

Dem Ford-Präsidenten für Venezuela, Enmanuel Cassingena, zufolge hat die Gesellschaft die Reifen bei rund 60 % der in Venezuela in Frage kommenden 28 000 Autos ersetzt. Insgesamt beliefen sich die Kosten der Aktion auf 15 Mill. US-Dollar. Mittlerweile setze Ford Reifen der Marke Goodyear in die Fahrzeuge ein.

Firestone ordnete nach eigenen Angaben den Rückruf ihrer noch nicht verkauften Reifen in Venezuela an, wollte aber - entgegen Forderungen Fords - nicht alle Reifen in Venezuela einziehen. In dem Land mit 24 Mill. Einwohnern bedient Firestone nach eigenen Angaben rund die Hälfte des Reifenmarktes. Die Muttergesellschaft von Firestone, die japanische Bridgestone, teilte mit, sie wolle die Produktion in ihren japanischen Werken erhöhen, um den Ersatz in den USA zu beschleunigen. Die Aktion solle bis zum Frühling beendet sein.

Die venezolanische Verbraucherschutz-Organisation Indecu teilte mit, sie werde möglicherweise strafrechtliche Schritte gegen Ford und Firestone vorschlagen. Beide Gesellschaften hätten ihre Kunden mit Falschinformationen über ihre Produkte getäuscht. Nach Angaben Fords will Indecu eine Kommission mit internationalen und venezolanischen Experten zur Untersuchung der Reifen einberufen.

Firestone hat inzwischen erste Untersuchungsergebnisse der Indecu akzeptiert, wonach die Gesellschaft in Venezuela eine Vielzahl von Reifen falsch ausgezeichnet habe, die nicht mit einer Nylon-Schutzschicht versehen waren. "Dieser unbeabsichtigte Fehler hat nicht die Qualität, Leistung oder Sicherheit der Reifen beeinflusst, die wir an Ford geliefert haben", teilte Firestone der Verbraucherbehörde mit. "Die Situaton haben wir korrigiert."

An der Börse in Tokio gerieten die Aktien von Bridgestone unter Druck. Das Papier setzte seine Kursrutsch vom Dienstag fort und schloss am Mittwoch 3,15 % tiefer auf 1 478 Yen. Ford gaben am Dienstag an der Wall Street infolge einer Herabstufung durch die Investmentbank Dresdner Kleinwort Benson um 0,75 $ auf 25 3/8 $ ab. Analyst David Garrity von Dresdner Kleinwort sagte, er gebe aufgrund der Rückrufaktion zunächst keine Kaufempfehlung mehr für die Aktie aus.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%