Möglichkeit für einen "Neuanfang"
Kompletter Austausch von Futtermitteln erwogen

Als Konsequenz aus dem Nitrofen-Skandal prüft Mecklenburg-Vorpommern den kompletten Austausch aller Futtermittel, die mit der verseuchten Lagerhalle in Malchin in Berührung gekommen sind.

Reuters SCHWERIN/HANNOVER. Die Raiffeisen-Hauptgenossenschaft Nord forderte zudem schärfe Kontrollen für die Futtermittelbranche. Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) sieht in einem vollständigen Futtermittelaustausch und der Reinigung der Anlagen eine Möglichkeit für einen Neuanfang. "Darüber muss man nachdenken", sagte er am Montag in Schwerin. Dann könne man "in geordneten Bahnen wieder von vorne anfangen".

Die Behörden des Landes gehen Backhaus zufolge zwei weiteren Nitrofen-Spuren im Zusammenhang mit der Halle in Malchin nach. Dabei handele es sich um eine Reinigungsanlage, in der Getreide aus Malchin gesäubert worden sei, und ein weiteres Lager. Beide Einrichtungen befänden sich in Mecklenburg-Vorpommern. Details nannte Backhaus nicht. Die Anlagen seien derzeit gesperrt, bis Prüfergebnisse vorlägen und die Warenströme nachvollzogen seien.

Acht Futtermittelproben positiv getestet

Von den 254 gezogenen Futtermittelproben aus gesperrten Betrieben in Mecklenburg-Vorpommern seien acht positiv getestet worden, teilte Backhaus weiter mit. Von den 183 getesteten Lebensmitteln seien bisher alle negativ gewesen. Mittlerweile liege das Ergebnis von 133 Lebensmittel- und 200 Futtermittelproben vor. Auf Grund dieser Ergebnisse habe er am Montag für fünf Geflügelbetriebe Entwarnung geben können. Gesperrt seien derzeit noch 298 Betriebe. Er gehe davon aus, dass in den nächsten Tagen weitere Betriebe freigegeben werden könnten.

Den betroffenen Landwirtschaftsbetrieben entstanden Backhaus zufolge nach ersten Analysen Verluste in Höhe von mehr als 500 000 Euro. In Liquiditätsschwierigkeiten geratene Betriebe könnten ab sofort ein zinsgünstiges Darlehen der Landwirtschaftlichen Rentenbank beantragen. Sie könnten zudem weitere Hilfen des Landes und des Bundes in Anspruch nehmen.

Raiffeisen-Gruppe für mehr Kontrollen bei Futterhersteller

Die Raiffeisen-Hauptgenossenschaft Nord (RHG Nord) hat als Konsequenz aus dem Nitrofen-Skandal schärfere Kontrollen in der Futtermittelindustrie gefordert.

Sowohl das eintreffende Getreide als auch das damit produzierte Futter müssten stärker als bisher untersucht werden, sagte RHG-Vorstandsmitglied Nikolaus von Veltheim vor Journalisten in Hannover. Mit der RHG Nord ist eine der größten Raiffeisen-Gruppen in den Nitrofen-Skandal verwickelt. Mit 45 Prozent der Anteile ist die RHG Nord einer der beiden Großaktionäre des Futtermittelherstellers Fugema in Mecklenburg-Vorpommern, bei dem vor wenigen Tagen erstmals auch in konventionellem Getreide das verbotene Pflanzengift Nitrofen entdeckt worden war. Fugema hatte Futter an mehrere hundert Betriebe ausgeliefert, die vorsorglich gesperrt worden waren.

"Da ist ein großer Vertrauensverlust entstanden", sagte RHG-Vorstandsmitglied Alfons Veer. Doch die Fugema-Verantwortlichen treffe keine Schuld. Niemand bei Fugema habe wissentlich Nitrofen belastetes Futter an Betriebe ausgeliefert, sagte Veer. Das Getreide war von einem Lager der Norddeutschen Saat- und Pflanzengut AG in Malchin in Mecklenburg-Vorpommern geliefert worden, die bislang als einzige Quelle für die Nitrofen-Belastungen in konventionellem und ökologischem Futter gilt.

Zu einem verbesserten Kontrollsystem in der Futtermittelindustrie gehört nach Ansicht der RHG Nord auch, dass Rückstellproben statt bisher drei künftig zwölf Monate lang aufbewahrt werden müssten. Dies werde sicher zusätzliche Kosten verursachen und das Futter etwas verteuern, sei aber angesichts des Nitrofen-Skandals unumgänglich, sagte von Veltheim.

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