Möglichkeiten des Internets lange verschlafen
Advance Bank tief in roten Zahlen

Die Advance Bank wird entgegen den bisherigen Planungen im Jahr 2000 möglicherweise tiefer in die roten Zahlen rutschen. Wegen einmaliger Ausgaben für den Ausbau des Beratungsangebots könne der Verlust noch einmal höher sein als 1999, als der Fehlbetrag 97,3 Mill. DM betrug, sagte der neue Vorstandssprecher Martin Blessing am Montag in München.

dpa-AFX MÜNCHEN. Ursprünglich hatte die Direktbank angekündigt, den Verlust um etwa zehn Mill. DM zu verringern. Während die Direktbank-Tochter der Dresdner Bank im Wettstreit mit anderen Online-Brokern den Start verschlafen hatte, sieht sie sich nun mit ihrer starken Ausrichtung auf die Beratung in einer guten Startposition für die nächste Runde.

Im kommenden Jahr solle der Verlust deutlich mehr als halbiert werden, bekräftigte Blessing. Im vierten Quartal 2001 solle dabei die Gewinnzone erreicht werden. 2002 will die Advance Bank AG (München) dann schwarze Zahlen schreiben, um fit für den geplanten Börsengang zu sein. Die Zahl der Depots solle bis Ende nächsten Jahres von derzeit 90 000 auf dann zwischen 170 000 und 200 000 steigen, sagte Blessing. Ende 2002 seien dann bis zu 300 000 Depots eingeplant.

Die filiallose Bank war 1996 als Tochter der früheren Bayerischen Vereinsbank AG gestartet, tat sich aber mit dem Konzept der beratenden Direktbank gegen die schnell wachsende Konkurrenz der Discount Broker und Direktbanken (ohne direkte Kundenberatung) schwer. Im Zuge der Fusion der BV mit der Hypo-Bank wurde die Advance Bank 1998 an die Dresdner Bank verkauft. "Die erste Welle ist an uns vorbei geschwappt", sagte Blessing. Hauptgrund sei, dass die Kontoführung über das Internet bei der Advance Bank erst seit August möglich ist. Inzwischen hat bei den Konkurrenten nach Einschätzung Blessings das Kundenwachstum aber an Dynamik verloren.

Auch wegen der jüngsten Turbulenzen an den Börsen wachse bei den Kunden der Wunsch nach Beratung, sagte Blessing. Ab Anfang 2001 bietet die Advance Bank daher auch persönliche Beratung bei den Kunden zuhause an. Dazu beteiligt sich das Institut in einem ersten Schritt mit zehn Prozent an der Dresdner Vermögensberatungsgesellschaft mbH (Frankfurt), die derzeit für rund 16 000 Privatkunden ein Vermögen von 2,2 Mrd. DM verwaltet. Im Jahr 2002 könne man über eine Option auch die Mehrheit übernehmen, sagte Blessing. Zunächst seien 200 mobile Berater im Einsatz, das Team solle deutlich vergrößert werden.

Blessing kündigte zudem den Aufbau von so genannten Investment Centern an. In der ersten Jahreshälfte seien zunächst fünf bis sechs solcher Zentren in deutschen Großstädten geplant. Bis Ende 2002 sollen es insgesamt etwa 25 sein. Dadurch könnten auch Kunden erreicht werden, die "noch nicht bereit sind, zu einer völlig virtuellen Bank zu gehen". Blessing geht zudem davon aus, dass dadurch die Kosten für die Kundengewinnung um 20 bis 30 % gesenkt werden können.

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