Möllemann erhielt schlechte Noten
FDP hofft auf besseres Verhältnis zum Zentralrat

Die FDP ist zuversichtlich, dass sich das Verhältnis zum Zentralrat der Juden bald wieder bessern wird. Das wichtigste Ergebnis des Spitzentreffens beider Seiten vom Dienstag sei, dass man die Gespräche regelmäßig fortsetzen wolle, sagte Wolfgang Gerhardt in Berlin.

dpa BERLIN. Die tiefe Verletzung des Zentralrates und der Juden in Deutschland müsse ernst genommen werden.

Die FDP-Seite habe bei dem Gespräch mit dem Zentralrat noch einmal die Attacken des stellvertretenden Parteivorsitzenden Jürgen Möllemann insbesondere auf den Zentralrats-Vize Michel Friedman bedauert und missbilligt. Gerhardt wandte sich zugleich gegen Forderungen des Zentralrates, Möllemann als Stellvertreter abzulösen. Solche Vorschläge hätten sich nie ausgezahlt und dienten nicht der Sache.

Möllemann sagte zur Forderung nach seiner Ablösung am Dienstagabend im ZDF: "Zu dieser ungewöhnlichen Forderung überlasse ich die Entscheidung gerne meinen Parteifreunden und die Meinungsbildung darüber überlasse ich gerne den Mitbürgerinnen und Mitbürgern." Parteichef Guido Westerwelle lehnt eine Ablösung Möllemanns ab.

Vor dem Hintergrund des von Möllemann ausgelösten Antisemitismusstreit mit dem Zentralrat haben rund 100 linke Demonstranten und PDS-Mitglieder am Dienstagabend in Hamburg eine FDP-Veranstaltung mit Möllemann gestört. Die Demonstranten hielten Plakate mit der Aufschrift "Möllemann Antisemit" hoch und störten die Veranstaltung durch ein lautstarkes Pfeifkonzert. Möllemann und der Hamburger FDP-Bundestagsabgeordnete Rainer Funke kritisierten die Aktion scharf: "Da waren Randalierer am Werk, die es offenbar bewusst auf Gewalt abgesehen hatten."

Bei einer Forsa-Umfrage erhielt Möllemann schlechte Noten: 74 Prozent der Deutschen wollen nicht, dass der FDP-Vize in der Bundespolitik eine größere Rolle spielt. Dafür sprachen sich 15 Prozent aus. Der Schriftsteller Ralph Giordano attackierte den FDP - Vize heftig. "Für mich ist Möllemann der gefährlichste von allen Schmierenkomödianten in den vergangenen 57 Jahren", schrieb Giordano im Hamburger Magazin "Stern". Möllemann sei "skrupellos und ein großer Täuscher: kein ehrliches Wort, was von ihm kommt", meinte der 79-Jährige. Wenn Möllemann mit Westerwelles Schützenhilfe bleibe, "verändert sich das Gesicht der Republik".

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