Möllemann spielt ein Medien-Theater
Kommentar: Westerwelle in der Zwickmühle

Der bunte Hund der Liberalen wedelt mit dem Schwanz: Jürgen Möllemann reicht Parteichef Guido Westerwelle publikumswirksam die Hand zur Versöhnung, stellt mediengerecht das Wohl der Partei über seine und des Vorsitzenden "persönlichen Befindlichkeiten", schiebt die Schuld am Zerwürfnis der beiden "stärksten Köpfe der FDP" auf miese Intriganten, die zur kleinen, feinen Partei der Besserverdiener zurückwollen.

Die Basis in Nordrhein-Westfalen, die am Montag zwischen ihm und Westerwelles Kandidaten für den Landesvorsitz entscheiden muss, soll glauben, es ginge ihm ums liberale Ganze - nicht um die Rettung der eigenen politischen Zukunft. Für Westerwelle weit gefährlicher jedoch ist Möllemanns Vorwurf, die Parteispitze verweigere sich einer ehrlichen Analyse der Wahlniederlage. Denn damit hat der Düsseldorfer Recht.

In normalen Nachwahl-Zeiten wäre es egal, die Liberalen könnten ihre Nabelschau getrost auf eine Klausur im Dezember vertagen und in Ruhe Trauer tragen, ohne dass das außerhalb der Partei jemanden interessieren würde. Gäbe es nicht den Machtkampf mit Möllemann. Nun ist der junge Parteichef in einer äußerst unbequemen Lage: Er muss genügend Liberale an Rhein und Ruhr davon überzeugen, dass Möllemann als Landeschef nicht mehr tragbar ist, weil er sich mit seinem Anti-Scharon-Flugblatt Eigenmächtigkeiten erlaubt hat, die die Bundesspitze nicht dulden kann.

Zugleich aber muss er verhindern, Möllemann den Punktevorteil des Sündenbocks zu verschaffen. Das wird schwierig, zumal er die Aktionen des Fallschirmspringers bereits als "Hauptursache" für die Wahlniederlage ausgemacht hat - das Projekt 18 und vor allem die halsstarrige Unabhängigkeitsstrategie jedoch verteidigt. Schafft er in Wesel den argumentativen Salto, hat Westerwelle sein Gesellenstück als Parteichef abgelegt.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%