Mörder Fortuyns war offenbar Umweltaktivist
Niederlande: Wahltermin bleibt bestehen

Ein 32 Jahre alter niederländischer Umweltaktivist wird verdächtigt, den Rechtspopulisten Pim Fortuyn (54) in Hilversum erschossen zu haben. Der mit einer Pistole bewaffnete Mann sei am Montag nach dem Anschlag überwältigt worden, teilte ein Staatsanwalt am Dienstag in Amsterdam mit. Bei seinen Vernehmungen mache er aber keine Angaben.

dpa DEN HAAG. Der Mordverdächtige war nach deren Angaben der Umweltschutzorganisation Milieu Offensief in Wageningen als Angestellter tätig. Nach seinen eigenen Angaben im Internet habe sein Interesse vor allem dem Kampf gegen intensive Viehhaltung und gegen Pelztierzucht gegolten. Fortuyn habe in jüngster Zeit angekündigt, dass er das erwartete Verbot der Pelztierzucht rückgängig machen wollte, berichtete die niederländische Agentur ANP.

Der Mord an Fortuyn führt nicht zur Verschiebung der Parlamentswahlen am 15. Mai. Für ein Festhalten am Termin hatte sich unter anderem die Liste Pim Fortuyn (LPF) in einer Beratung mit der Regierung in Den Haag eingesetzt. Alle Parteien hatten den Wahlkampf am Montag unmittelbar nach der Bluttat unterbrochen, waren sich aber zunächst nicht einig über eine etwaige Verschiebung des Wahltermins.

Bei der Durchsuchung des Hauses des mutmaßlichen Täters in Harderwijk (Provinz Gelderland) hatte die Polizei am Montagabend einen Computer und schriftliche Unterlagen sichergestellt. Sie fand auch Munition des bei dem Anschlag verwendeten Kalibers.

Der Tatverdächtige habe Fortuyn bei dem Anschlag vor dem Funkhaus in Hilversum je zwei Mal in den Rücken und den Hals und einmal in den Kopf geschossen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Mit der Polizei sei der Mann bisher nicht in Berührung gekommen, er sei jedoch beim Verfassungsschutz bekannt gewesen. Der Verdächtige ist verheiratet und Vater eines kleinen Kindes.

Die niederländischen Zeitungen haben am Dienstag zum Teil mit Sonderseiten über die Ermordung des Rechtspopulisten Fortuyn berichtet. Tiefe Bestürzung und Trauer kennzeichneten die Schlagzeilen. Ein über alle Zeitungsspalten gedrucktes Bild der blutigen Leiche auf dem Parkplatz des Sendergeländes illustrierte auf den meisten Titelseiten das als unfassbar bezeichnete Geschehen.

Fortuyn wird nach ersten Angaben aus seiner Umgebung möglicherweise in Rotterdam eingeäschert und später in Italien beigesetzt. Der Politiker, der als großer Freund Italiens galt, hatte von der Erbschaft seiner vor drei Jahren gestorbenen Mutter in Italien ein Haus gekauft, berichtete ein Mitarbeiter der Partei vor Journalisten. Wo es sich befindet, sagte er nicht.

In Rotterdam, wo die Liste Pim Fortuyn (LPF) bei der Kommunalwahl im März einen überwältigenden Erfolg errungen hatte, war die ganze Nacht über das Rathaus geöffnet, damit sich Trauernde ins Kondolenzbuch eintragen konnten. Bis Dienstagnachmittag hatten mehr als 8 000 Anhänger Fortuyns unterzeichnet. Zehntausende bekundeten ihre Anteilnahme auf Kondolenz-Sites im Internet.

Die Polizei in Den Haag verhörte am Dienstag noch 23 Demonstranten, die am Vorabend nach einer gewalttätig verlaufenen Kundgebung im politischen Zentrum Binnenhof festgenommen worden waren. Sie gehörten zu mehreren hundert Anhängern Fortuyns, die während einer Sondersitzung des Kabinetts ihre Wut über den Tod ihres Idols äußern wollten.

Anhänger des umstrittenen Politikers werfen den etablierten Parteien vor, Fortuyn verteufelt und in die rechtsextreme Ecke gedrängt zu haben. Der 54-jährige Spitzenkandidat der Liste Pim Fortuyn hatte Ministerpräsident Wim Kok selbst vorgeworfen, ihn zu "dämonisieren".

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