"Mörderischer Tyrann"
Bush schwört Amerikaner auf Krieg ein

Mit Spannung hatte die Öffentlichkeit auf die Rede des US-Präsidenten gewartet. Und der erklärte noch einmal, was sein Ziel ist: Saddam Hussein entmachtet werden.

dpa CINCINNATI. Mit drastischen Worten hat US-Präsident George W. Bush am Montag an Volk, Kongress und den Weltsicherheitsrat appelliert, seinen kompromisslosen Kurs gegen den Irak mitzutragen. In einer mit Spannung erwarteten Rede bezeichnete er den irakischen Präsidenten Saddam Hussein als "mörderischen Tyrann", der nicht davor zurückschrecke, die Welt mit Seuchen zu überziehen, Terroristen mit Atomtechnologie zu versorgen und die Welt zu erpressen.

"Wir sind entschlossen, uns jeder Bedrohung zu stellen", sagte Bush vor geladenen Gästen in einem Museum in Cincinnati im Bundesstaat Ohio. Die Welt könne nicht auf einen schlagenden letzten Beweis für die Gefährlichkeit Saddams warten, "der eine atomare Wolke sein könnte."

Amerika und die Welt dürften es nicht zulassen, dass Saddam sie mit chemischen und biologischen Waffen bedrohe. "Die Zeit der Verleugnung, Irreführung und Verzögerung ist zu Ende. Entweder Saddam Hussein rüstet ab oder die USA werden - dem Frieden zuliebe - eine Koalition anführen, die die Abrüstung vornimmt", sagte Bush.

Ein Regimewechsel sei der einzige Weg, der Bedrohung aus Bagdad beizukommen, sagte Bush. "Ich hoffe, dies zwingt uns nicht zu einem Militärschlag. Aber es könnte dazu kommen." Dennoch bedeute die angestrebte Entschließung des Kongresses, die ihm die Vollmacht für einen Angriff geben soll, keinen unmittelbar bevor stehenden Krieg. "Ein Krieg steht weder unmittelbar bevor noch ist er unvermeidbar", versicherte der Präsident. Die Entschließung sei ein Signal an die Welt, dass die USA mit einer Stimme sprächen.

Der Präsident legte keine neuen Beweise vor, die bedrohliche Absichten des Regimes in Bagdad belegen. Er wiederholte die Vorwürfe aus seiner Rede vor den Vereinten Nationen am 12. September. Bush verwies auf die jahrelangen Verstöße gegen die UN-Resolutionen, auf Arsenale mit tausenden Tonnen an chemischen und biologischen Waffen, und auf Saddams Bereitschaft, Terroristen Unterschlupf zu bieten.

Saddam habe eine wachsende Flotte unbemannter Flugzeuge, mit denen tödliche Bakterien versprüht und Tausende von Menschen umgebracht werden könnten. Das Weiße Haus veröffentlichte ein Satellitenfoto, das den Angaben zufolge den Wiederaufbau einer Waffenfabrik belegt. Saddam habe in der Vergangenheit weltweit gesuchte Terroristen wie Abu Nidal beherbergt. Ein ranghohes Mitglied des Terrornetzwerks El Kaida sei in diesem Jahr in Bagdad medizinisch behandelt worden. "Der Irak könnte zu jedem Zeitpunkt beschließen, einer Terrorgruppe oder einzelnen Terroristen eine Biowaffe oder eine chemische Waffe zu geben", warnte Bush. "Saddam bietet Terroristen Unterschlupf und hat die Instrumente des Terrors, des Massentodes und der Zerstörung."

Bush berief sich auch auf Präsident John F. Kennedy, der vor 40 Jahren angesichts der Kubakrise ähnlich wie Bush jetzt einen Präventivschlag angedroht hatte. Bush zitierte Kennedy mit den Worten: "Wir leben nicht mehr in einer Welt, in der erst das tatsächliche Feuern einer Waffe die Sicherheit eines Landes genügend bedroht, um maximale Gefahr darzustellen."

Bush legte die Hauptforderungen dar, die nach Vorstellung der US- Regierung in einer neuen Irak-Resolution im Sicherheitsrat enthalten sein müssen: Der Irak müsse alle Waffen vorlegen und zerstören, die Inspektoren müssten mögliche Informanten und deren Familien außerhalb des Landes bringen und befragen dürfen, um Repressalien zu verhindern und die Inspekteure müssten jederzeit und überall Zugang haben.

Bush warnte irakische Offiziere davor, im Fall eines Krieges Massenvernichtungswaffen einzusetzen. Wer es tue, werde dafür wegen Kriegsverbrechens zur Rechenschaft gezogen. Der irakischen Bevölkerung versprach er, dass die USA und ihre Verbündeten bei einem Wiederaufbau des Landes helfen würden.

"Wenn wir einschreiten müssen, werden wir alle Vorsicht walten lassen", kündigte Bush an. "Wir werden gründlich planen. Wir werden die ganze Macht des US-Militärs einsetzen. Wir werden zusammen mit Verbündeten handeln und wir werden siegen."

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