Moerschen aus Manhattan
Abschied ins Ungewisse

Am 26. Januar 1999 erschien im Handelsblatt der erste Artikel mit dem Autorenkürzel "tmo", hinter dem sich der Schreiber dieser Kolumne verbarg. Ein griffiges, weises Fazit aus acht Jahren Finanzmarktbeobachtung kann ich leider nicht ziehen. Höchstens, dass viele Trends flüchtiger waren, als wir es erwarteten.

MANHATTAN. Am 26. Januar 1999 erschien im Handelsblatt der erste Artikel mit dem Autorenkürzel "tmo", hinter dem sich der Schreiber dieser Kolumne verbarg. Mein erster Bericht fasste das Vortagsgeschehen an der Wall Street zusammen. Aktien der damals frisch fusionierten Citigroup legten an diesem Tag um 2,5 Prozent zu - und das, obwohl Citigroup einen Gewinneinbruch wegen fusionsbedingter Sonderbelastungen gemeldet hatte. Investoren waren damals berauscht von der Gründung des weltgrößten Finanzkonzerns, der sämtliche Finanzdienstleistungen vom Girokonto bis zum Investment-Banking aus einer Hand anbot.

Zwar bleibt im Finanzgewerbe der Trend zur Größe ungebrochen. Einstige Modebegriffe wie "Finanzsupermarkt" wichen aber längst neuen Entwicklungen. Vorübergehend galten Firmenkundengeschäft und Investment-Banking als allein selig machend. Die Deutsche Bank spielte gar mit dem Gedanken, ihr in der "Bank 24" gebündeltes Massengeschäft abzugeben. Heute geht der Trend in die entgegengesetzte Richtung: Banken in Deutschland und den USA präsentieren stolz ihr Mittelstands- und Privatkundengeschäft.

Bei Citigroup hat der seit 2003 amtierende Chef Charles Prince die Versicherungs- und Fondssparte abgestoßen. Seine Strategie lautet Konzentration auf den Vertrieb, statt - wie unter Vorgänger Sandy Weill - Produktion und Verkauf von Finanzprodukten unter einem Dach zu bündeln.

Ihr Kolumnist beobachtete die Finanzwelt zunächst aus der Handelsblatt-Zentrale in Düsseldorf. Ende 2001 ging es dann nach Frankfurt. Seit Anfang 2003 lebe ich in New York, wo ich inzwischen für die Ratingagentur DBRS US-Finanzdienstleister analysiere.

Ein griffiges, weises Fazit kann ich leider nicht ziehen aus acht Jahren Finanzmarktbeobachtung. Höchstens, dass viele Trends flüchtiger waren, als wir es erwarteten. Das galt für die Interneteuphorie an den Börsen ebenso wie für die Vernachlässigung des Privatkundengeschäfts im Bankgewerbe.

Für die Zukunft wünsche ich Ihnen, liebe Handelsblatt-Leser, alles Gute und viel Lesevergnügen bei der neuen Kolumne "E-Mail von der Wall Street", die der US-Büroleiter des Handelsblatts, Torsten Riecke, ab nächster Woche an dieser Stelle veröffentlichen wird.

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