Moerschen aus Manhattan
Balanceakt der Banken

Starkes Wachstum bei Immobilienkrediten beschert der amerikanischen Finanzbranche seit einigen Jahren steigende Gewinne. Dieser positive Trend hält jedoch nur so lange an, wie die amerikanischen Unternehmen an einen anhaltenden Konjunkturaufschwung glauben.

MANHATTAN. Steigende US-Notenbankzinsen, mit denen die Währungshüter die Inflationsgefahr bekämpfen, machen US-Hausdarlehen teurer. Das dämpft wiederum die Kreditnachfrage. US-Banken suchen daher einen neuen Ertragsmotor. Diese Rolle könnte die Unternehmensfinanzierung übernehmen. Das Volumen von Geschäfts- und Industriekrediten ist in den USA nach einem vierjährigen Rückgang zuletzt deutlich gestiegen. Der neue Motor wird jedoch nur dann auf Touren kommen, wenn die amerikanische Wirtschaft insgesamt weiter kräftig wächst.

Die US-Bankbranche hat enorm vom Hauspreisboom profitiert – ganz im Gegensatz zur Lage in Deutschland, wo eine lange Immobilienflaute nach dem Wiedervereinigungsboom die Finanzbranche stark belastet hat. Das Volumen immobilienbesicherter Kredite in den Bilanzen amerikanischer Banken überstieg im April die Marke von drei Billionen Dollar. Mehr als die Hälfte aller Kreditforderungen und Leasinggeschäfte im US-Bankwesen entfallen inzwischen auf Immobiliendarlehen.

In einem Teilbereich, den so genannten Zweithypotheken (Home Equity Loans), sank jedoch zwischen November und Juni das Kreditvolumen – ein erstes Indiz dafür, dass die höheren Leitzinsen die Kreditnachfrage bremsen. Falls dieser negative Trend auf das gesamte Hypothekengeschäft übergreift, brauchen die US-Banken die Firmenkredite als neuen Wachstumsträger. Deren Bestand wuchs in den USA zwischen November und Juni um 8,4 Prozent, getrieben vom robusten Wirtschaftswachstum.

Dieser positive Trend hält jedoch nur so lange an, wie die amerikanischen Unternehmen an einen anhaltenden Konjunkturaufschwung glauben. Hierin liegt ein Risiko. Denn die Zinserhöhungen der US-Notenbank wirken nicht nur auf den Immobilienboom wie eine Bremse, sondern sie dämpfen auch die gesamtwirtschaftliche Dynamik. Die Währungshüter versuchen, mit ihrer Geldpolitik die Konjunktur so weit zu dämpfen, dass die Inflation niedrig bleibt, aber ohne dass die Konjunkturdynamik darunter leidet. Für die US-Finanzbranche hängt viel vom Gelingen dieses Balanceakts ab.

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