Moerschen aus Manhattan
Comeback der Filiale

Der Mensch ist von Natur aus bequem, und deshalb erledigt er seine Bankgeschäfte gern in einer Filiale um die Ecke. In den USA setzen viele Finanzinstitute daher verstärkt wieder auf ein dichtes Filialnetz.

MANHATTAN. Vorbei sind die Zeiten, als manche Experten orakelten, das altmodische Zweigstellensystem werde bald von modernen, schlanken Internetbanken abgelöst, die per Mausklick schneller und günstiger ihre Kunden erreichen. Die meisten US-Kunden, so stellte sich heraus, führen ihr Giro- oder Sparkonto lieber bei einer Bank mit traditionellen Filialen, wo man schnell mal Geld abheben oder einen Kredit beantragen kann. Vom Privatkunden über Kleinunternehmen bis zum größeren Mittelständler legen die meisten Kunden Wert auf persönliche Betreuung.

Kein Wunder, dass viele US-Banken durch Neueröffnung von Standorten und durch Zukäufe ihre Filialnetze ausbauen. Vor allem im wachstumsstarken Süden der Vereinigten Staaten, etwa in Florida, Texas und Südkalifornien, sind Zweigstellen begehrt. In den sonnigen Süden ziehen alljährlich Tausende wohlhabende US-Pensionäre – ein lukratives Kundensegment für die Banken.

Finanzinstitute mit etablierten Filialen in Florida erzielen inzwischen Übernahmepreise vom Dreifachen ihres Buchwerts. Zum Vergleich: Vor wenigen Jahren erreichte der Börsenwert mancher deutscher Großbank nicht mal den Buchwert.

Die stark gestiegenen Notenbankzinsen in den USA machen amerikanische Bankfilialen zusätzlich attraktiv. Denn mit der Zahl der Filialen steigen im Schnitt die Kundeneinlagen, mit denen die Banken ihre Ausleihungen finanzieren können. In Zeiten hoher Zinsen, wenn die Geldbeschaffung über den Interbankenmarkt oder die Zentralbank teuer ist, steigt der Wert dieser preisgünstigen Finanzierungsquelle.

Eine weitere Triebfeder des Filialbooms ist der Trend zur Bündelung von Finanzdiensten. Während US-Kunden einst Kreditkarte, Girokonto, Wertpapierdepot und Immobiliendarlehen jeweils bei unterschiedlichen Anbietern einkauften, wollen Amerikas Großbanken – ähnlich wie in Europa – möglichst viele Dienste aus einer Hand anbieten. Als entscheidender Vorteil im Kampf gegen Spezialanbieter kann da die Filiale um die Ecke dienen, wo der Kunde gut und bequem bedient wird.

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