Moerschen aus Manhattan
Der nächste Unfall

Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen“, soll der US-Romanautor Mark Twain einmal gespottet haben. Doch nicht einmal das ist sicher: Im Internet wird das Zitat auch Winston Churchill und Karl Valentin zugeschrieben. Trotzdem betätigen die Risikomanager der Banken sich als Zukunftsforscher. Ihre Aufgabe lautet schließlich, künftige Probleme abzusehen und zu vermeiden.

Dabei orientieren sich Banker und Aufseher bei ihren Krisenszenarien oft an früheren Debakeln. Das Problem dieses Blicks in den Rückspiegel: Man sieht nicht, was von vorne kommt.

Der nächste Unfall im US-Kreditwesen droht wahrscheinlich weder wie in den späten 80er-Jahren durch faule Immobilienkredite, noch durch internationale Finanzmarkt-Turbulenzen à la 1998. Vielmehr könnten die bis dato unverdächtigen US-Verbraucher Schwierigkeiten auslösen.

Die aktuelle Aufteilung aller US-Bankkredite unterstreicht die zentrale Rolle der Verbraucher. Der US-Einlagensicherungsfonds meldet zum Ende des ersten Quartals ausstehende Immobilienkredite für Ein- bis Vier-Familien-Häuser in Höhe von 1 680 Mrd. Dollar. Hinzu kommen gut 821 Mrd. Dollar an Individualkrediten.

Private Haushalte stehen somit hinter fast der Hälfte aller Forderungen von US-Geschäftsbanken. Das ist weit mehr als vor wenigen Jahren. Falls sich die Lage am US-Arbeitsmarkt verschlechtert oder der lange Boom bei den Immobilienpreisen kippt, wird dies die Finanzbranche direkt spüren.

Die Risiken bei gewerblichen Immobilienkrediten scheinen indes beherrschbar. Dort haben die US-Banken ihre Kontrollen verschärft, nachdem einige Institute Ende der 80er/Anfang der 90er-Jahre hohe Ausfälle durch den damaligen Preisverfall erlitten. Auch haben die Großbanken ihr Risikomanagement seit der Beinahe-Pleite des Hedge-Fonds LTCM im Jahr 1998 stark verbessert. Dass Marktturbulenzen die Banken heute in existenzielle Probleme bringen, erscheint unwahrscheinlich.

Bleibt als vermutlich größtes Restrisiko der US-Verbraucher. Dessen finanzielle Lage erschien in den vergangenen Jahren erstaunlich stabil. Doch davon sollten sich die Risikomanager der US-Banken nicht einlullen lassen, sondern vorausblickend prüfen, was bei der nächsten Krise schief gehen kann.

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