Moerschen aus Manhattan
Eigentum verpflichtet

Manager sollten möglichst viele Aktien der von ihnen geführten Unternehmen halten. Denn wessen Vermögen vom Auf und Ab des Aktienkurses abhängt, der wird sein Unternehmen kaum durch überhöhte Gehälter oder riskante Deals schädigen, so lautet das Kalkül.

Das Sein bestimme das Bewusstsein, formulierte im 19. Jahrhundert Karl Marx. Diese Maxime haben sich Verfechter einer guten Unternehmensführung (Corporate Governance) im heutigen Kapitalismus zu Herzen genommen. Ihre Forderung: Manager sollten möglichst viele Aktien der von ihnen geführten Unternehmen halten. Denn wessen Vermögen vom Auf und Ab des Aktienkurses abhängt, der wird sein Unternehmen kaum durch überhöhte Gehälter oder riskante Deals schädigen, so lautet das Kalkül.

So gesehen dürfte Jamie Dimon, Chef der drittgrößten US-Bank JP Morgan Chase, eher wie ein Eigentümer denken als Citigroup-Chef Charles Prince. Denn Dimon besitzt laut Investmentbank Bear Stearns Aktien und Aktienoptionen seiner Firma im Wert von 192 Mill. Dollar. Das ist mehr als zwanzigmal so viel wie Dimons Bargehalt von 9,4 Mill. Dollar im vergangenen Jahr. Dimon zählt bei diesem Kriterium zu den Spitzenreitern, weil er seit seinem Einstieg massiv JP-Morgan-Aktien kaufte und großzügige Aktienoptionen kassierte. Ähnlich geht es Ken Lewis, dem Chef des zweitgrößten US-Kreditinstituts Bank of America. Er besitzt Aktien und Optionen im Wert von 142 Mill. Dollar, was knapp dem Zwanzigfachen seines Bareinkommens von 7,15 Mill. Dollar im Jahr 2005 entspricht.

Schlecht schneidet dagegen Citigroup-Chef Prince beim Aktien- und Gehaltsvergleich ab. Dessen Firmenanteile sind nur knapp sechsmal so viel wert wie sein jüngstes Bargehalt von 13 Mill. Dollar. Noch niedriger rangiert Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Er besitzt firmeneigene Aktien im Wert von 33,4 Mill. Euro (ohne Optionen). Das ist knapp viermal so viel, wie Ackermann 2005 bar verdiente, nämlich knapp 8,4 Mill. Euro.

Heißt das nun, dass Ackermann und Prince weniger hart für ihre Aktionäre arbeiten? Nein. Beide mühen sich, den Aktienkurs ihrer Institute zu steigern. Doch Dimon und Lewis haben einen größeren Anreiz als Ackermann und Prince, bei einer großen Fusion oder Übernahme einen guten Preis zu erzielen. Andernfalls spüren sie die Konsequenzen im eigenen Geldbeutel, wenn der Aktienkurs nach einer Fehlentscheidung fällt. Beruhigend zu wissen für Aktionäre von JP Morgan Chase und Bank of America.

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