Moerschen aus Manhattan
Erfüllte Wünsche

„Sei vorsichtig, was du dir wünschst, denn Dein Wunsch könnte in Erfüllung gehen.“ So lautet ein Sprichwort, das zu der Forderung der US-Finanzbranche nach schärferen Richtlinien für private Insolvenzen passt.

MANHATTAN. Im vergangenen Oktober erschwerte das US-Parlament private Bankrotterklärungen und erfüllte damit einen alten Wunsch der Finanzlobbyisten in Washington. Diese schimpften seit Jahren darüber, dass überschuldete Amerikaner vergleichsweise einfach ihre Verbindlichkeiten durch den Gang zum Konkursrichter loswerden konnten.

Dieses Verfahren ist nun teurer, schwieriger und aufwendiger geworden. Dennoch werden die US-Kreditgeber nach Einschätzung der Ratingagentur DBRS nur wenig von dem neuen Gesetz profitieren. Denn die Reform ändert nichts daran, dass die meisten betroffenen Haushalte schlicht kein Geld haben, um ihre Schulden zu begleichen.

Für US-Banken, Kreditkartenfirmen und Verbraucherkreditbüros bedeutet das neue Insolvenzgesetz daher kaum eine Entlastung, sondern eher eine Lastenverschiebung. Bislang verschwanden viele faule Kredite zügig aus den Bilanzen, weil die Schuldner den Offenbarungseid leisteten. Dies wird nun weniger oft geschehen. Viele faule Kredite modern künftig länger in den Bilanzen von Banken, Kreditkartenfirmen und Kreditbüros.

Diese Problemkredite werden die Kosten für das Eintreiben und Verwalten von Kreditforderungen in den USA nach oben treiben. Dieser Effekt dürfte einen Großteil der höheren Zahlungen auffressen, die US-Finanzinstitute ihren Kreditnehmern nun entlocken können, weil diese sich nur noch schwer per Insolvenzantrag entziehen können. Unterm Strich wird wohl nur ein kleiner positiver Effekt bleiben.

Welche Konsequenzen die Gesetzreform genau hat, werden erst die nächsten Jahre zeigen, wenn Verzerrungseffekte durch die Neuregelung auslaufen. Denn kurz vor Inkrafttreten der neuen Bankrottregeln stieg die Zahl der Konkursanträge und der damit verbundenen Kreditabschreibungen gegen Ende vergangenen Jahres auf ein neues Rekordhoch. DBRS erwartet, dass die Zahl der Konkursanträge sich im Laufe des nächsten Jahres ungefähr auf dem alten Niveau einpendeln dürfte. Erst dann wird man sehen, ob die Finanzbranche sich freuen oder ärgern sollte darüber, dass ihr Wunsch in Erfüllung ging.

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