Moerschen aus Manhattan
Gebotene Wachsamkeit

Eine inverse Zinskurve, wie sie Anfang November kurz bei deutschen Bundesanleihen entstand, ist selten und sie kündigt häufig Rezessionen an. Allerdings scheinen die flachen bzw. inversen Zinskurven diesmal als Warnsignal zu versagen. Stellt die inverse Zinskurve diesmal kein Rezessionssignal dar? Die Frage ist nicht eindeutig zu beantworten.

„Der Wolf kommt, der Wolf kommt“, rief der Schäferjunge zweimal; und die Bauern kamen gelaufen, um ihre Herde zu retten. Weil jedoch zweimal kein Wolf auftauchte, ignorierten sie die Rufe des Schäferjungen beim dritten Mal, als der Wolf wirklich kam.

Ähnlich reagieren Investoren und Medien auf das Warnsignal der Zinskurve. Eine so genannte inverse Zinsstruktur, bei der kurzfristige Anleihen mehr Rendite abwerfen als langfristige, entstand Anfang November kurz bei deutschen Bundesanleihen. In den USA und Großbritannien besteht das Phänomen schon seit Monaten.

Eine inverse Zinskurve ist selten, und sie kündigt häufig Rezessionen an. Diesen sehr stabilen statistischen Zusammenhang haben Volkswirte der US-Notenbank in New York kürzlich bestätigt. Hintergrund: Investoren verlangen fast immer einen Renditeaufschlag, um ihr Geld in längerfristigen Anleihen zu binden. Eine Ausnahme entsteht, wenn Anleger eine Rezession am Horizont sehen. Dann erwarten sie, dass die Notenbank die kurzfristigen Zinsen bald senkt, um die Konjunktur zu stabilisieren. In diesem Fall akzeptieren die Investoren vorübergehend niedrigere Langfristrenditen, die stark von den Zinserwartungen abhängen.

Allerdings scheinen die flachen bzw. inversen Zinskurven diesmal als Warnsignal zu versagen. In den USA und Großbritannien besteht das Phänomen seit langem, ohne dass sich dort ein Konjunkturknick abzeichnet. Die globalen Aktienmärkte spiegeln derzeit optimistische Konjunkturerwartungen wider.

Stellt die inverse Zinskurve diesmal kein Rezessionssignal dar? Vielleicht. Womöglich stecken diesmal technische Faktoren dahinter. So investieren Pensionsfonds und Versicherer weltweit verstärkt in langfristige Anleihen, um ihre ebenfalls langfristigen Zahlungsverpflichtungen zu decken. Diese Nachfrage senkt tendenziell die Langfristrenditen, unabhängig von den Konjunkturerwartungen.

Doch die US-Notenbank-Studie zeigt, dass auf eine flache oder inverse Zinskurve nicht unmittelbar eine Abschwächung der Konjunktur folgt, sondern erst nach rund zwölf Monaten. Damit könnte der Wolf – in Form einer Rezession – also durchaus noch auftauchen. Grund genug für Bauern beziehungsweise Investoren, wachsam zu bleiben.

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