Moerschen aus Manhattan
Gefahr aus dem Internet

In den 90er-Jahren zitterten Bankenchefs vor der Gefahr aus dem Internet. Die damals neuen Discount-Broker ermöglichten die Teilnahme am Börsenboom zum Billigtarif. Doch nach dem Platzen der Hightech-Börsenblase verloren viele Online-Broker ihre Unabhängigkeit. Jetzt fordern die übrig gebliebenen Unternehmen die herkömmlichen Filialbanken erneut heraus.

Damals verließen Scharenweise Privatanleger ihre Hausbank und deren wichtigtuerische Wertpapierberater, die ohnehin immer nur bankeigene Fonds empfahlen. Mit vor Aufregung zitternden Fingern eröffneten sie ein Consors-Onlinedepot und orderten per Mausklick 100 Neuer-Markt-Optionsscheine.

Der Neue Markt ist verschwunden – und mit ihm das Geld vieler Anleger. Nach dem Platzen der Hightech-Börsenblase verloren viele Online-Broker ihre Unabhängigkeit.

Doch die übrig gebliebenen Unternehmen fordern die herkömmlichen Filialbanken erneut heraus. Direktbanken verkaufen neben Aktiendepots heute auch Spareinlagen, Girokonten, Kreditkarten und sogar ganz altmodische Baufinanzierungen. Sie konkurrieren nicht nur um knausrige Aktienkäufer, sondern auch um Häuslebauer und um Anleger, die ihre private Altersvorsorge selbstständig online betreiben.

In Deutschland ebenso wie in den USA machen die Direktbanken und -broker gute Geschäfte. Zwar haben sie noch keine großen Marktanteile erobert – laut Bundesbank hielten Direktbanken 2005 nur drei Prozent aller deutschen Kundeneinlagen. Das sind aber immerhin dreimal so viel wie 2002. In Amerika kann der älteste Direktbroker, Charles Schwab, beim investierten Kundenvermögen durchaus mit Branchenriesen wie Merrill Lynch und Citigroup mithalten.

ING-Diba, die Tochter der niederländischen Finanzgruppe ING, hat sich in nur fünf Jahren zu einer der größten Privatkundenbanken in Deutschland mit mehr als 60 Mrd. Euro Bilanzsumme gemausert. Die führenden US-Direktbroker kommen ebenfalls auf respektable Summen – allen voran die 51 Mrd. Dollar schwere E-Trade Financial Corporation.

Je erfolgreicher die Direktbanken ihre Kundenbeziehungen vertiefen und statt nur Sparkonten und Onlinedepots eine breite Palette von Finanzdienstleistungen online verkaufen, desto eher könnten sie langfristig ernste Rivalen für etablierte Filialinstitute sein – in Deutschland ebenso wie in den USA.

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