Moerschen aus Manhattan
Gewinn statt Qualität

Gewinnsprung“, „höhere Erträge“, „Rekordgewinn“ – diese Schlagwörter prägten zuletzt die Quartalsberichte der meisten Banken. In Amerika ist der Gesamtgewinn aller vom US-Einlagensicherungsfonds erfassten Finanzinstitute seit 2001 jedes Jahr gestiegen. Auch 2006 verspricht ein Rekordjahr zu werden.

MANHATTAN. Die Ratingagentur DBRS bewertet die Profitabilität der US-Bankbranche zurückhaltend. Grund: Zwar sind die Gewinne gestiegen, die Ertragsqualität hat sich laut DBRS jedoch nicht verbessert. Die Qualität der Bankerträge hängt davon ab, ob sie auf nachhaltigen Trends oder auf höheren Risiken und Einmaleffekten beruhen.

Eine Analyse der Gewinnentwicklung aller US-Finanzinstitute seit 2001 fällt ernüchternd aus: Mit Abstand wichtigster Gewinntreiber war ein starker Anstieg bei Krediten und Wertpapierbeständen. Von 2001 bis Ende September 2006 erhöhte die Branche ihre zinstragenden Anlagen um mehr als die Hälfte. Das steigerte die Zinseinnahmen.

Doch gleichzeitig ist in den vergangenen fünf Jahren die Zinsmarge der US-Banken geschrumpft, also der Ertrag pro Dollar verzinsliche Anlage. Dahinter steckt der Anstieg der Zinsen durch die US-Zentralbank, der die Refinanzierungskosten für die Geschäftsbanken verteuert. Weniger Rendite, überkompensiert durch stark ausgeweitete Bilanzen – so lässt sich zwar der Gewinn verbessern, nicht aber die Ertragsqualität.

Eine weiterer Grund für die US-Bankgewinne war eine niedrigere Risikovorsorge für Kreditausfälle. Doch früher oder später werden die zuletzt historisch niedrigen Ausfallraten steigen. Und dann müssen die Banken wieder mehr zurücklegen.

Zugegeben, andere Gründe für die steigenden US-Bankgewinne erscheinen durchaus dauerhaft. So konnten die US-Banken etwa den Anteil ihres Provisions- und Handelsergebnisses am Gesamtertrag erhöhen. Damit machen sie sich weniger abhängig vom kapitalaufwendigen und schwankenden Zinsgeschäft. Zudem drückte die Branche ihre Kosten-Einnahmen-Quote.

Doch die letztgenannten Faktoren leisteten nur einen relativ kleinen Beitrag zum Gewinnanstieg der vergangenen Jahre. Unterm Strich bleibt das Urteil bestehen: Der Gewinn der US-Bankbranche insgesamt ist gestiegen, die Ertragsqualität nicht.

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