Moerschen aus Manhattan
Ipod statt Knax-Comics

Damals wie heute machten Finanzinstitute gute Geschäfte mit den Esparnissen ihrer Kunden. Banken in den USA werben derzeit besonders stark um neue Kundeneinlagen. Mit speziellen Angebote wollen sie ihre Gunst gewinnen.

Meine ersten Erfahrungen mit Finanzdienstleistungen sammelte ich im Alter von etwa acht Jahren als stolzes Mitglied des „Knax“-Sparclubs der Sparkasse Viersen am Niederrhein. Mit bunten, lehrreichen Knax-Comics lockten die Sparkassen damals wie heute junge Kunden an.

Die Viersener Sparkasse hat ihre Selbstständigkeit längst verloren, und ich beobachte heute Banken in New York statt am Niederrhein. Eines hat sich aber nicht geändert: Finanzinstitute auf beiden Seiten des Atlantiks machen unverändert gute Geschäfte mit den ersparten Groschen, Euro-Cents und Pennies ihrer Kunden.

In den USA werben die Banken derzeit besonders intensiv um Kundeneinlagen. Bank of America und JP Morgan Chase, die zweit- und drittgrößte Bank nach Bilanzsumme, versprechen Neukunden jeweils 50 Dollar Honorar, falls sie bei ihnen bestimmte Girokonten eröffnen. Die mittelgroße Key-Bank lockt mit einem Ipod-Audiogerät. Wirklich teuer für die Banken sind jedoch die stark gestiegenen Zinsen für Spar- und Festgeldkonten. Fünf Prozent und mehr für Sechsmonatsgeld sind keine Seltenheit, US-Internetbanken bieten noch mehr.

Trotzdem lohnt sich das Geschäft für die Banken bisher. Sie können die eingehenden Kundengelder an Kreditkunden weiter verleihen oder in fest verzinsliche Wertpapiere investieren. Von der Differenz zwischen Einlagenkosten und erzieltem Kreditzins lebt es sich gut.

Besonders attraktiv wird das Einlagengeschäft in den USA dadurch, dass die alternative Finanzierung über den Kapitalmarkt für die Banken teuer geworden ist. Zwischen den Kosten der Mittelaufnahme und dem erzielbaren Zins auf Kredite und Anleiheinvestitionen bleibt kaum noch eine Marge. Dafür sorgen gestiegene Leitzinsen und eine flache Zinskurve, die den Abstand zwischen dem Zins für kurzfristige Mittelaufnahme und langfristige Wertpapieranlagen abbildet. Umso wichtiger werden Kundeneinlagen als billige Finanzierungsquelle. Allerdings führt das dazu, dass die Institute mit immer großzügigeren Angeboten um Einlagengelder rangeln. Das nagt weiter an der Zinsmarge.

Die Sparkasse Viersen erhielt meine hart ersparten Taschengeld-Groschen vor 25 Jahren für ein paar Knax-Comics und eine Gratis-Sparbüchse. Das reicht im US-Einlagengeschäft heute längst nicht mehr.

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