Moerschen aus Manhattan
Kinderwagen an Wall Street

Der New Yorker Immobilienmarkt boomt, während die Wall Street ihren legendären Ruf als Zentrum der Finanzwelt an "Midtown" verliert, das dichte Wirtschaftszentrum Manhattans fünf Kilometer nördlich. Viele große Finanzhäuser type="organisation" value="US1729671016" />-Citigroup, Morgan Stanley und, ja, auch JP Morgan - haben ihren Hauptsitze längst nach dort verlegt.

In dem Gebäude an der Wall Street Nummer 23 schlug einst das Herz der US-Finanzwelt. Von hier aus lenkte John Pierpont Morgan, Urvater der heute drittgrößten US-Bank JP Morgan, Anfang des 20. Jahrhunderts die Geschicke der amerikanischen Wirtschaft. Die legendäre "23" prangt immer noch auf den gläsernen Flügeltüren des Hauses schräg gegenüber der New Yorker Börse. Drinnen trifft der erstaunte Besucher jedoch nicht auf altmodische Banker mit Stehkragen, sondern auf farbiges Neonlicht, modern-weiße Vorhänge und plätschernde Jazz-Musik.

Nr. 23 folgt dem neuesten Wall-Street-Trend - der Umwidmung von Büroraum in Wohnungen. Wo einst der alte Morgan US-Präsidenten, Rockefellers und Eisenbahnbarone empfing, können Normalsterbliche heute Apartments ab 1,2 Mill. Dollar erwerben.

Der New Yorker Immobilienmarkt boomt, während die Wall Street ihren legendären Ruf als Zentrum der Finanzwelt an "Midtown" verliert, das dichte Wirtschaftszentrum Manhattans fünf Kilometer nördlich. Böse Zungen lästern, der Einzug der Deutschen Bank im Jahr 2002 in die historische Adresse 60 Wall Street, wo einst die Nachfolger des alten Morgan wohnten, habe den Bedeutungsverlust von "Downtown" besiegelt. Neben der Frankfurter Bank hat nur noch Goldman Sachs ihre US-Zentrale in unmittelbarer Nähe zur Wall Street.

Andere große Finanzhäuser - Citigroup, Morgan Stanley und, ja, auch JP Morgan - haben ihre Hauptsitze längst nach Midtown verlegt. Zwar bleibt noch die stolze New York Stock Exchange, deren Aufstieg der Wall Street einst ihr Prestige verlieh. Doch der Handelssaal leert sich, seit der Aktienhandel sich auf Computersysteme verlagert.

Statt über den Wandel zu jammern, schlagen die New Yorker daraus Profit. Gleich neben der Deutschen Bank liegt das "Trump Building", wo der schillernde Immobilienmogul Donald Trump Luxuswohnungen feilbietet. Eine Ecke weiter lockt der "New York Sports Club" Banker wie Zugezogene zum gemeinsamen Fitnesstraining. Am Wochenende prägen Jogger und junge Familien mit Kinderwägen das Straßenbild.

Der aristokratische alte Morgan mag sich angesichts solch neuer Nachbarn im Grab herumdrehen. Vielleicht würde er aber auch nur mit den Schultern zucken, sein Büro höchstbietend versteigern und im Taxi gen Midtown verschwinden.

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