Moerschen aus Manhattan
Lukrative Zinspause

Darauf haben US-Bankmanager gewartet wie ein angeschlagener Boxer auf den Pausengong: Erstmals seit zwei Jahren hob die amerikanische Notenbank (Federal Reserve) bei ihrem turnusgemäßen Treffen am Dienstag den Leitzins nicht an. Diese Pause verschafft den US-Geschäftsbanken dringend benötigte Zeit, um ihre ramponierte Zinsmarge zu pflegen.

MANHATTAN. Die lange Reihe von Leitzinserhöhungen in den USA, von nur einem Prozent 2004 auf derzeit 5,25 Prozent, setzt viele amerikanische Kreditinstitute unter Druck. Denn die meisten Banken konnten die Rendite ihrer Kredite und Wertpapierbestände nicht im gleichen Tempo erhöhen, wie ihre Finanzierungskosten durch die steigenden Notenbanksätze kletterten. Die Forderungen von Banken (Kredite und Wertpapiere) haben im Schnitt längere Laufzeiten als ihre Finanzierungsquellen, die Kundeneinlagen und Kredite vom Kapitalmarkt.

Höhere Notenbankzinsen verteuern unmittelbar die Geldbeschaffung der Kreditinstitute. Diese können ihre steigenden Finanzierungskosten erst verspätet auf die Kreditkunden überwälzen. Und solange der Leitzins in den USA kontinuierlich stieg, hechelten die Banken den steigenden Kosten hinterher.

Während die Nettozinsmarge der US-Geschäftsbanken, also die Zinsdifferenz zwischen Forderungen und Verbindlichkeiten, 2002 noch vier Prozent übertraf, sank diese Spanne im ersten Quartal 2006 branchenweit auf gut dreieinhalb Prozent. Dadurch entgingen der Branche Dutzende Milliarden Dollar an Zinseinnahmen.

Die Pause der US-Notenbank eröffnet den US-Geschäftsbanken nun die Chance, ihre Zinsspanne zu reparieren. Die Gelegenheit ist günstig. Denn US-Unternehmen fragen derzeit verstärkt Firmenkredite nach, um steigende Investitionen und Übernahmen zu finanzieren. Die US-Banken haben somit gute Aussichten, höhere Kreditzinsen durchzusetzen.

Die Banker müssen sich bei ihrer Aufholjagd sputen. Denn die Zinspause könnte schon bald enden, wenn die US-Notenbanker am 20. September erneut über den Leitzins beraten. Eine erneute Zinserhöhung, die viele Volkswirte erwarten, wäre ein Schlag für die Bemühungen der Banker, ihre Margen zu verbessern.

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