Moerschen aus Manhattan
Neuer Tonfall

Wer bei den Ergebnisberichten der US-Banken genau hinhört, stellt fest, dass viele Finanz- und Vorstandschefs ein wenig gedämpfter klingen als gewohnt. Die konjunkturellen Gesamtlage sieht nicht mehr ganz so rosig aus wie noch vor einem Jahr.

MANHATTAN. Die Finanz- und Vorstandschefs von US-Banken verwenden bei der Beschreibung der Kreditqualität, einem entscheidenden Kriterium für jede Bank, Begriffe wie „stabil“ und „gut“, während sie zu Jahresbeginn noch häufiger Superlative wie „ausgezeichnet“ oder „exzellent“ gebrauchten. Ob Bank of America, JP Morgan Chase, Wachovia oder Wells Fargo – überall klangen die Chefs bei der Vorlage der Quartalszahlen weniger euphorisch.

Bislang sind die Zahlungsausfälle und -verzüge bei vielen Banken minimal, doch die meisten scheinen eine Verschlechterung zu erwarten. Jamie Dimon, Chef der drittgrößten US-Bank JP Morgan, etwa warnte ausdrücklich vor schlechteren Zeiten. Kein Wunder, hängt doch die Fähigkeit der Verbraucher, ihre Kredite zu bedienen, von der konjunkturellen Gesamtlage ab. Und die sieht zumindest nicht mehr ganz so rosig aus wie noch vor einem Jahr.

Ein klares Bild zeichnen die aktuellen Konjunkturdaten aus Amerika allerdings nicht: So fiel die Zahl der neu geschaffenen Stellen im September auf unerwartet niedrige 51 000. Andererseits wuchs die Beschäftigung im dritten Quartal um 388 000 Stellen, was über der kritischen Grenze von 300 000 liegt. Ein ernstes Warnsignal für die US-Konjunktur wären erst mehrere Monate in Folge mit einem Jobwachstum unter 100  000 Stellen.

Niemand kann derzeit mit Bestimmtheit sagen, ob die amerikanische Wirtschaft nur eine Verschnaufpause einlegt wie Mitte der 90er-Jahre, oder ob sie auf die nächste Rezession zusteuert wie zuletzt Ende der 80er-Jahre. In beiden Phasen sanken gesamtwirtschaftliche Indikatoren wie die Zahl der neu geschaffenen Stellen zunächst in ähnlicher Weise. Doch Mitte der 90er kletterten Beschäftigung und Wirtschaftswachstum nach einer kurzen Flaute wieder aufwärts, während auf die Schwächephase der 80er die Rezession der Jahre 1990 und 1991 folgte.

Die soliden Quartalsergebnisse der meisten US-Banken zeigen, dass die US-Wirtschaft bislang noch stark genug ist, um den Finanzinstituten gute Gewinne zu bescheren. Doch der neue Tonfall der Bankchefs nährt Zweifel, ob dies auch weiterhin so bleibt.

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