Moerschen aus Manhattan
Neues im Westen

Seit mehr als einem Jahr warnen Fachleute vor dem Platzen einer möglichen Spekulationsblase am US-Immobilienmarkt. Die Bundesstaaten Ohio und Michigan tauchten bei diesen Kassandrarufen selten auf, denn der Immobilienboom ging an diesen und anderen Bundesstaaten im Mittleren Westen der USA weitgehend vorbei. Ausgerechnet dort jedoch sind die Wohnungspreise kürzlich gefallen, wie neue Daten der US-Wohnungsmarktaufsicht OFHEO zeigen.

In den boomenden US-Küstenregionen Kalifornien und Florida stiegen die Preise laut OFHEO dagegen zwar langsamer als zuvor, aber sie rutschten noch nicht ins Negative. Eine andere Statistik des amerikanischen Maklerverbands zeigt zwar einen US-weiten Preisrückgang, doch gilt die statistische Methode zur Preiserfassung von OFHEO als genauer.

Verkehrte Welt: Dort, wo der Wohnungsmarkt am stärksten überhitzt ist, tendieren die Preise robuster als im stagnierenden Mittleren Westen. Die Erklärung liegt in der wirtschaftlichen Lage. In Detroit (Michigan) und Columbus (Ohio) dominieren alte, kriselnde Industrien wie Autobau und Stahl. Die Arbeitslosenrate dort ist viel höher als in den wohlhabenden Küstenregionen.

Deshalb gibt es im Mittleren Westen mehr arbeitslos gewordene Hausbesitzer, denen ihr Kredit über den Kopf wächst. Und deshalb landen in Michigan knapp zweimal so viele Häuser per Pfändung bei der Bank wie im US-Schnitt. Ohios Pfändungsrate liegt noch höher.

Die Banken schlagen die gepfändeten Immobilien schnell los – und erzeugen Angebotsdruck, der zum Fall der Wohungspreise im Mittleren Westen beigetragen hat.

Könnte der Immobilienmarkt in den gesamten USA auf ähnliche Weise unter Druck geraten? Dafür spricht momentan wenig. Denn die Konjunktur- und Beschäftigungslage in den meisten US-Regionen ist besser als im Mittleren Westen.

Die Erfahrung in Ohio und Michigan zeigt jedoch, wie stark der Immobilienmarkt von der Konjunktur abhängt. Falls die US-Wirtschaft insgesamt in eine Flaute gerät, könnten die überhitzten Immobilienpreise in den Küstenregionen ebenso fallen. Und kommt dieser Prozess einmal in Gang, dürfte der Sturz drastischer ausfallen als im Mittleren Westen.

Tobias Moerschen ist Analyst bei der Ratingagentur DBRS

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