Moerschen aus Manhattan
No Hausbank in Amerika

Für das Wort „Hausbank“ gibt es im Amerikanischen keine direkte Übersetzung. Zufall ist das nicht. Der wachsende Wettbewerb hat die Bindung zwischen Bank und Kunde stark gelockert.

MANHATTAN. Zwar existierte das Prinzip in den USA, wonach Privatkunden und Mittelständler ihre Finanzgeschäfte hauptsächlich mit einem langfristigen Partner abwickeln, noch vor 15 Jahren ähnlich wie in Deutschland. Doch der wachsende Wettbewerb hat diese Bindung stark gelockert.

Die seit Jahrzehnten fortschreitende Konsolidierung der US-Bankenlandschaft hat die Konkurrenz verschärft. Durch Fusionen und Übernahmen entstanden mehr starke, profitable Banken, die in neue Verbreitungsgebiete vordringen und dort der eingesessenen Konkurrenz Kunden abjagen. Zudem finden Kunden heute mit einem Mausklick im Internet verlockende Angebote, die ihre Treue zur Hausbank auf die Probe stellen.

Die drei US-Banken mit den größten Filialnetzen – Bank of America, Wachovia und Wells Fargo – eröffnen ebenso wie kleinere Rivalen reihenweise neue Niederlassungen. In dicht besiedelten Stadtregionen schießen Bankfilialen wie Pilze aus dem Boden. Aber auch in ländlichen Gegenden bauen spezialisierte Anbieter ihr Zweigstellennetz aus.

Amerikanische Mittelständler und Privatkunden erhalten so mehr Auswahl vor Ort. Statt alle Bankprodukte bei einer Hausbank zu kaufen, picken sich viele die attraktivsten Angebote heraus, von der Kreditkarte übers Girokonto bis zum Baudarlehen.

Gleichzeitig hat die Einführung von Geldautomaten und die Standardisierung vieler Bankgeschäfte die Kosten klassischer Bankfilialen gesenkt. Das erleichtert das Wachstum für Anbieter wie die US-Sparkasse Washington Mutual, die derzeit an der Ostküste expandiert. Online-Finanzdienstleister wie E-Trade und TD Ameritrade nutzen derweil das Internet, um selbst in den entlegensten Regionen Alternativen zur lokalen Bankfiliale zu schaffen.

Ein baldiges Ende dieser Trends ist nicht zu erwarten. Trotz der Herausbildung einiger Megabanken bleibt die US-Finanzbranche stark zersplittert. Und das Potenzial neuer Technologien ist noch längst nicht ausgeschöpft. Das beweist der jüngste Erfolg eines hoch verzinsten Online-Kontos, mit dem die Citigroup neuerdings landesweit auf Kundenfang geht. Die Chancen für die Aufnahme der „Hausbank“ in den US-Sprachschatz sind also insgesamt sehr gering.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%