Moerschen aus Manhattan
Preis der Klarheit

Das Prinzip klingt ebenso schlicht wie überzeugend. Betriebliche Pensionszusagen stellen für Unternehmen eine zukünftige Belastung dar, argumentieren Bilanzexperten. Deshalb sollten Unternehmen diese Verpflichtungen bereits heute sauber kalkulieren und in ihrer Bilanz berücksichtigen. Die Realität sah bislang anders aus.

Traditionell wiesen viele Unternehmen – Finanzinstitute eingeschlossen – auf beiden Seiten des Atlantiks ihre Pensionsverpflichtungen nicht voll in der Bilanz aus. Das ändert sich jedoch zunehmend, dank schärferer Bilanzierungsregeln in den USA und Europa.

Unternehmen, die sich an den US-Bilanzregeln orientieren, müssen bis zum Jahresende das aktuelle Verhältnis zwischen dem Gegenwartswert ihrer Pensionszusagen und dafür abgezweigten Reserven in der Bilanz ausweisen. Dies wird in vielen Fällen zu einer Sonderbelastung führen, weil die Pensionslast in der Regel das gebildete Pensionsvermögen übertrifft.

Betroffen sind nicht nur in den USA ansässige Unternehmen: Auch in Europa bilanzieren viele Großkonzerne wie die Deutsche Bank und Daimler-Chrysler nach US-Richtlinien. Und das für europäische Bilanzregeln zuständige Gremium, IASB, kooperiert eng mit den Amerikanern. Bereits heute erfordern die bald europaweit geltenden International Financial Reporting Standards (IFRS) der IASB erhöhte Pensionszuführungen von Banken, die ihre Betriebsrenten bislang nach den kulanteren deutschen HGB-Regeln verbuchten.

Die Klarheit hat einen Preis. Die neue US-Regel führt zu beachtlichem Anpassungsbedarf, wie eine Umfrage der Ratingagentur DBRS unter 43 US-Banken zeigt. Das zweitgrößte US-Finanzinstitut Bank of America kalkuliert, dass die Anpassung zum Ende vergangenen Jahres zu einer einmaligen Reduzierung des bilanziellen Eigenkapitals um 1,9 Milliarden Dollar nach Steuern geführt hätte. Allerdings entspricht dies nur einem Bruchteil vom Eigenkapital des Finanzkonzerns. Andere US-Banken stehen, gemessen an ihrem Eigenkapital, vor höheren Belastungen.

Unterm Strich ergab die DBRS-Umfrage: Investoren sollten sich auf pensionsbedingte Sonderbelastungen bei US-Banken einstellen, brauchen jedoch in der Regel keine negativen Auswirkungen auf deren Kreditwürdigkeit zu fürchten.

Tobias Moerschen ist Analyst bei der Ratingagentur DBRS

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