Moerschen aus Manhattan
Schneevögel in Florida

Der Süden und Westen der Vereinigten Staaten erlebt seit Jahren überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum, der Nordosten und der Mittlere Westen hinken hinterher. Dieses Auseinanderdriften stellt dortige Banken vor die Wahl: Entweder sie akzeptieren niedrigere Renditen oder sie müssen in die Boomregionen expandieren.

MANHATTAN. Außenstehende unterschätzen oft die enormen Unterschiede zwischen einzelnen Regionen in den USA. So erleben der Süden und Westen der Vereinigten Staaten seit Jahren überdurchschnittliches Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum, während der Nordosten und der Mittlere Westen hinterherhinken.

Dieses Auseinanderdriften stellt Banken in wachstumsschwachen Regionen vor die Wahl: Entweder sie akzeptieren niedrigere Renditen und geringeres Ertragswachstum – oder sie müssen in die Boomregionen expandieren. Vor allem finanzkräftige Institute wählen die zweite Variante. Sie folgen den „Schneevögeln“, wie die Amerikaner wohlhabende Pensionäre nennen, die etwa aus dem kalten Minneapolis im Norden oder aus dem dicht gedrängten Manhattan ins sonnige Miami, nach San Diego oder Houston umziehen. Sie sind eine treibende Kraft hinter dem regionalen Boom, so wie die Millionen Einwanderer aus Mittel- und Südamerika, die ebenfalls warme US-Regionen bevorzugen. Für die Banken sind „Schneevögel“ und Immigranten wachstumsstarke und somit attraktive Zielgruppen.

Doch der Drang zur Sonne hat einen Haken: Er treibt die Preise hoch. Während Banken im Westen der USA mehr als das Zweieinhalbfache ihres Buchwerts kosten, wechseln Finanzinstitute im Mittleren Westen für weit weniger den Besitzer. Bankakquisitionen im Südosten und Südwesten sind ebenfalls teurer als weiter nördlich.

Die höheren Kosten bedeuten zusätzliche Risiken für Bankkäufer. Denn sie beruhen oft auf optimistischen Wachstums- und Einsparprognosen, die schwer realisierbar sein können. Ein saftiger Preis erhöht zudem den Druck, eine Bank hastig zu integrieren, um besorgten Investoren schnelle Resultate präsentieren zu können.

Manche Institute winken ab. Charles Prince, Chef der größten US-Bank, Citigroup, hat mehrfach betont, dass er zwar gerne in den USA zukaufen würde, aber nicht zu den geforderten Preisen.

Ratingagenturen wägen bei jeder Transaktion ab, wie der Übernahmepreis Kapital und Liquidität der Käuferbank belastet und welche Ertrags- und Kostensynergien zu erwarten sind. Im Fall der National City Corporation aus dem nördlichen Bundesstaat Ohio etwa rechtfertigen die langfristig verbesserten Aussichten den hohen Kaufpreis für zwei kleinere Banken in Florida.

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