Moerschen aus Manhattan
Schock mit Ansage

Noch genießen die meisten US-Hausbesitzer mit jenen exotischen Krediten die günstige Anfangsphase. Doch für Millionen Amerikaner steigen bald die Monatsraten.

MANHATTAN. Werbung für Kreditangebote mit Namen wie „Flex-Zahlung“, „Nur Zins“ und „Darlehen mit negativer Amortisierung“ verstopft seit Monaten Faxgeräte und Briefkästen in den USA. Dahinter stecken so genannte exotische Immobilienkredite, die amerikanische Häuslebauer und -käufer mit niedrigen Monatsraten locken. Nach einer festgelegten Frist, typischerweise ein bis sieben Jahre, steigt jedoch die monatliche Zahlung – im Extremfall um mehr als das Doppelte. Die günstige Anfangsbelastung hat Kredite mit veränderlichem Zins in den USA äußerst beliebt gemacht. Der drohende Zahlungsschock zum Anpassungstermin macht sie jedoch riskant.

US-Baukredite mit variablem Zins verlagern das Zinsrisiko vom Kreditgeber auf den Schuldner. Im Gegensatz zum traditionellen Festzinskredit passt sich der Hypothekenzins nach der festgelegten Anfangsphase an den Marktzins an. Das bedeutet höhere Zahlungen für US-Hausbesitzer, denn die Hypothekenzinsen sind hier in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.

Noch genießen die meisten US-Hausbesitzer mit jenen exotischen Krediten die günstige Anfangsphase. Doch für Millionen Amerikaner steigen bald die Monatsraten: Laut Schätzung des US-Hypothekenverbands endet die Niedrigzahlphase für exotische Baukredite von 330 Milliarden Dollar in diesem Jahr. Weitere Schulden in Höhe von 1000 Milliarden Dollar erleben bis Ende 2007 eine Anpassung.

Ob die Umstellung glimpflich abläuft oder ob der Zahlungsschock zur Belastung für die US-Hypothekenbranche wird, hängt vor allem vom Immobilienmarkt ab. Steigen die Hauspreise weiter steil an, dann können Hausbesitzer ihre teureren Kredite einfach durch ein traditionelles Darlehen ablösen. So vermeiden sie den drohenden Zahlungsschock.

Allerdings klettern die Wohnungspreise in einigen amerikanischen Regionen inzwischen nur noch langsam. Falls der Anstieg stoppt oder die Hauspreise gar fallen, können Wohnungsbesitzer, die außer dem eigenen Haus wenig Reserven haben, kaum umschulden. Dann wird der Zahlungsschock zum Problem für die Schuldner – und für die Finanzinstitute und Investoren, die das Risiko eines Zahlungsausfalls tragen.

Der Text spiegelt die Meinung von Tobias Moerschen wider, nicht die von DBRS (Europe) Limited und verbundenen Unternehmen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%