Moerschen aus Manhattan
Schweine an der Börse

So stellt man sich den Chef einer Schweinebauch-Börse nicht vor: Craig Donohue sieht mit seinem gebräunten Gesicht und den perfekt-weißen Zähnen eher aus wie ein superreicher Hedge-Fonds-Manager. Der gelernte Jurist leitet die Chicago Mercantile Exchange (CME), die berühmt wurde als Umschlagplatz für die großen Rinderherden des Mittleren Westens – und eben Schweinebäuche.

Nächste Woche legt die CME ihr Jahresergebnis für 2005 vor. Der Aktienkurs durchbrach diese Woche aus Vorfreude auf brillante Zahlen bereits die Schallmauer von 400 Dollar. Seit dem CME-Börsengang vor gut drei Jahren hat sich der Börsenwert des größten US-Terminmarktes fast verzehnfacht und übersteigt heute den der Deutsche Börse AG. Deren Tochter Eurex wollen die Chicagoer überholen und zur größten Futures-Börse der Welt aufsteigen.

Mit Schweinebäuchen hat Donohue das nicht geschafft. Das rasante Wachstum stammt aus dem elektronischen Handel mit Finanzterminkontrakten, mit denen Investoren auf Zinsänderungen spekulieren können. Diese Art des Handels baute Donohue zielstrebig aus.

Der allgemeinen Markttrend half Donohue und den Aktien anderer US-Terminbörsen. Sie alle kletterten kürzlich auf neue Höchststände – selbst die lahme, schlecht geführten Ölbörse in New York. Die Investoren kaufen derzeit einfach alles, was mit Futures-Märkten zu tun hat.

Fragt sich bloß: Stecken hinter dem Höhenrausch der Terminmarkt-Aktien wirklich gigantische Wachstumsaussichten – oder bläht sich dort nur eine neue Spekulationsblase, die mit einem lauten Knall platzen wird?

Sicher lässt sich diese Frage nicht beantworten – man weiß es erst dann ganz sicher, wenn die Blase platzt. Dennoch spricht manches für die letztere Erklärung. Zwar wächst der Handel mit Terminkontrakten landauf und landab seit Jahren schneller als der traditionelle Kassahandel. Und das dürfte vorerst auch so bleiben.

Aber wer die Bewertungen der US-Terminbörsen mit der Deutschen Börse AG oder auch der Pariser Euronext vergleicht, stellt ein krasses Missverhältnis fest. Die Termintöchter Eurex und Euronext-Liffe erscheinen im Vergleich zur US-Konkurrenz stark unterbewertet. Oder, was wohl eher zutrifft, Donohues Schweinebauch-Börse ist viel zu teuer. moerschen@handelsblatt.com

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