Moerschen aus Manhattan
Sparbuch bei Goldman

Viel ist diskutiert worden über den Drang einiger Universalbanken an die Wall Street. Dort machen Citigroup, JP Morgan, Deutsche Bank und andere seit Jahren den angestammten Platzhirschen das Leben schwer. Morgan Stanley, Merrill Lynch und Goldman Sachs dominieren das Kapitalmarktgeschäft längst nicht mehr alleine.

Das Spiel funktioniert jedoch auch umgekehrt: US-Investmentbanken expandieren inzwischen in Geschäftszweige, die sie zuvor kampflos den Geschäftsbanken überließen. Merrill Lynch und Goldman Sachs haben bankähnliche Tochterfirmen mit Einlagensicherung gegründet, die Sparkonten für wohlhabende Privatkunden führen. Lehman Brothers und Bear Stearns verkaufen Baudarlehen - und alle Wall-Street-Häuser vergeben Kredite an Firmenkunden.

All dies war bis 1999 unüblich. Denn bis dahin bestand in den USA ein so genanntes Trennbanken-System. Danach konzentrierten Finanzinstitute sich normalerweise entweder auf die Kapitalmärkte oder auf das traditionelle Einlagen- und Kreditgeschäft. Das US-Parlament schrieb dieses System 1933 vor, um die Macht der Banken zu beschränken.

1999 lockerte das US-Parlament jedoch die gesetzlichen Restriktionen für die Finanzbranche. Nun können Bank-Holdings über eigene InvestmentBankingtöchter mit den Wall-Street-Häusern konkurrieren. Das hat den Wettbewerbsdruck im Investment-Banking erhöht.

Umgekehrt haben die Wall-Street-Firmen bankähnliche Töchter gegründet, die ins Einlagen- und Kreditgeschäft eingestiegen sind. Merrill Lynch hat bereits mehr als 80 Mrd. Dollar Kundeneinlagen eingesammelt. Einlagen von Privatkunden stellen eine solide Finanzierungsquelle für die Wall-Street-Häuser dar, die im Wettstreit mit den Großbanken hilft.

Beide Seiten, Investmentbanken und Universalbanken, haben somit ihre Aktivitäten in den vergangenen Jahren verbreitert. Dem Wettbewerb im Finanzgewerbe kann diese Entwicklung nur nützen. Kunden haben nun die Wahl, ob sie ihr Sparbuch lieber bei einer traditionellen Bank oder bei einem Wall-Street-Haus führen und ob sie ihre Aktienemission lieber von einer Investmentbank oder einer Großbank managen lassen.

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