Moerschen aus Manhattan
Traumprinz gesucht

Jean-Francois Théodore, Chef der französisch dominierten Vierländerbörse Euronext, flirtet mit John Thain, dem Leiter der führenden US-Börse Nyse Group. Der lockere Franzose Théodore hat keine festen Absichten. Zweck seines Techtelmechtels mit Thain war, den Verehrer Deutsche Börse auf Distanz zu halten oder eifersüchtig zu machen.

Jean-Francois Théodore, Chef der französisch dominierten Vierländerbörse Euronext, flirtet mit John Thain, dem Leiter der führenden US-Börse Nyse Group. Die beiden trafen sich laut Presseberichten kürzlich zum Rendezvous in Paris, um über eine Verbindung ihrer Börsen zu sprechen.

Der lockere Franzose Théodore hat indes keine festen Absichten. Alleiniger Zweck seines Techtelmechtels mit Thain war, den Verehrer Deutsche Börse auf Distanz zu halten oder eifersüchtig zu machen. Am besten beides. Denn Théodore mag nicht mit den Deutschen fusionieren, jedenfalls nicht nach deren Diktat. Sicher, Euronext würde mit seinen Börsen in Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon und dem Londoner Terminmarkt Liffe gut zu den Frankfurtern mit ihrer Derivatetochter Eurex passen. Europa- und wirtschaftspolitisch gäbe es keine vernünftigere Kombination – wenngleich es keine Liebesheirat wäre.

Aber der stolze Théodore will bei der Hochzeit nicht die zweite Geige spielen. Mit 8,2 Mrd. Euro Marktwert bringt Euronext zwar nur gut drei Viertel so viel auf die Waage wie die Deutsche Börse mit zwölf Mrd. Euro. Dennoch pocht Théodore auf absolute Gleichberechtigung und mag einen Ehevertrag nicht unterschreiben, in dem Francioni die Kapitel Standort und Geschäftsstrategie schon vorformuliert hat.

Was liegt da näher, als anderen hübschen Jungs schöne Augen zu machen? Zum Beispiel dem charmanten Amerikaner Thain, der Théodore in jüngster Zeit so nette Komplimente über dessen Geschäftsmodell macht. Zwischen den Zeilen flötet Thain: Komm zur Nyse Group, ich lasse Dich Deinen Laden fast so fortführen wie bisher.

Natürlich stimmt das nicht, und das weiß Théodore. Der zwar leise auftretende, aber machtbewusste Thain würde den Euronext-Chef kurz nach der Hochzeit zum Angestellten einer globalen Börsenmaschine degradieren. Deshalb wird der Franzose ihm kaum das Ja-Wort geben. Aber nichts spricht gegen einen Flirt, der vielleicht dem Verehrer Francioni Zugeständnisse entlockt oder – aus Théodores Sicht noch besser – jede Hochzeit platzen lässt.

Wahrscheinlicher ist jedoch, dass Francioni abwartet, bis Théodore einsieht, dass weder in New York noch sonstwo ein Traumprinz auf ihn wartet – und endlich einwilligt in die Vernunftehe.

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