Moerschen aus Manhattan
Trügerische Trends

Wie Durchschnittswerte täuschen können, zeigen Statistikprofessoren gerne am Beispiel zweier Räume: Im einen herrscht null Grad Celsius Kälte, der andere ist 40 Grad Celsius heiß. Die Durchschnittstemperatur für beide Räume beträgt angenehme 20 Grad. Ähnlich ist es mit den Durchschnittsdaten zur Finanzlage der US-Verbraucher.

Auf ähnliche Weise, wenngleich nicht so extrem, überdecken solide Durchschnittsdaten zur Finanzlage der US-Verbraucher gegenläufige Trends für verschiedene Bevölkerungsschichten. So kletterte das durchschnittliche Vermögen aller US-Haushalte laut einer Umfrage der amerikanischen Notenbank (Federal Reserve) zwischen 2001 und 2004 inflationsbereinigt um 6,3 Prozent auf beeindruckende 448 200 Dollar.

Doch nur die wohlhabenden Familien konnten ihr Vermögen deutlich steigern. Für das ärmste Viertel aller Haushalte verschlechterte sich dagegen die finanzielle Lage. Während sie 2001 ungefähr gleich viel Vermögen wie Schulden hatten, überstiegen die Schulden den Besitz um durchschnittlich 1 400 Dollar im Jahr 2004, als die jüngste Fed-Umfrage erfolgte. Für das zweitärmste Viertel der Bevölkerung änderte sich die Vermögenslage kaum. Nur die obere Hälfte aller US-Haushalte nach Vermögen mehrte ihren Besitz spürbar und trieb so den Schnitt nach oben.

Gegenläufige Trends zeigen sich auch beim Blick auf diejenigen Haushalte mit Finanzproblemen. Die US-Notenbank versteht darunter Familien, die mehr als 40 Prozent ihres Einkommens vor Steuern für den Schuldendienst aufwenden, also mehr als 40 Cents von jedem verdienten Dollar an Gläubiger abführen. Der Anteil der finanziell angeschlagenen Haushalte stieg zwischen 2001 und 2004 in den mittleren Einkommensgruppen und sank für das reichste und ärmste Fünftel der Bevölkerung.

Diese Trends bedeuten, dass amerikanische Privatkunden-Kredite bei einem konjunkturellen Abschwung höheren Risiken ausgesetzt sind als die freundlichen Aggregatwerte suggerieren. Ähnlich wie im Beispiel der eiskalten und überhitzten Räume überdecken Durchschnitte, dass die wohlhabenden Haushalte finanziell glänzend dastehen, während in den niedrigeren Einkommensgruppen viele Familien unter angespannten Finanzen leiden. Kreditgeber und Investoren müssen die Bedeutung dieser Divergenz auf das eigene Portefeuille abschätzen.

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