Moerschen aus Manhattan
Weniger schwankend

Kursschwankungen gehören zur Natur der Finanzmärkte. Daher scheint es nur natürlich anzunehmen, dass Investmentbanken, die mit Wertpapieren handeln und Unternehmen Zugang zum Kapitalmarkt verschaffen, ein schwankungsreiches Geschäft betreiben. Das stimmt jedoch heute weniger denn je.

Denn die führenden Wall-Street-Häuser haben ihre Finanzstruktur gestärkt und ihre Geschäftsbasis verbreitert. Letzteres belegen die unerwartet hohen Quartalsgewinne, die Morgan Stanley, Goldman Sachs, Lehman Brothers und Bear Stearns in den vergangenen Tagen vorgelegt haben.

Trotz der Sommerflaute haben alle vier Wall-Street-Adressen die Gewinnprognosen der Analysten deutlich übertroffen. Im vergangenen Geschäftsquartal, das von Juni bis August dauerte, verdienten sie zwischen 1,85 Milliarden Dollar (Morgan Stanley) und 437 Millionen Dollar (Bear Stearns). Merrill Lynch, ein weiteres Wall-Street-Haus, meldet erst nächsten Monat seine Zahlen. Obwohl viele Märkte zwischen Juni und Mitte Juli schwächelten, erzielten die vier Wertpapierhäuser aufs Jahr gerechnete Eigenkapitalrenditen zwischen 15 und 25 Prozent nach Steuern. So viel schafft selbst unter Idealbedingungen kaum eine deutsche Bank.

Die US-Investmentbanken können in schwierigen Marktphasen solide Erträge erwirtschaften, weil sie ihre Geschäftsbasis verbreitert haben. Neben Aktien und Staatsanleihen handeln sie heute auch mit besicherten Wertpapieren, hinter denen Baukredite, Kreditkartendarlehen oder Studentenkredite stehen; und sie kreieren Derivate und strukturieren komplexe Finanzinstrumente, deren Wert von Währungen, Zinsentwicklungen und Rohstoffen abhängt.

Diese Diversifizierung hilft den Investmentbanken, Schwäche in einzelnen Märkten auszugleichen. Wenn etwa Investoren aus Sorge um die Konjunktur weniger Aktien und riskante Anleihen halten wollen, verkaufen die Wall-Street-Häuser ihnen wertbeständige Investments und Derivate, die das Verlustrisiko begrenzen. Wenn später die Investoren optimistischer werden, profitieren die Händler von der Rückkehr in risikoträchtigere Anlagen.

Berücksichtigt man dazu noch die gestärkte Finanzstruktur der Investmentbanken, wird deutlich, warum der Handel mit volatilen Wertpapieren kein volatiles Geschäft sein muss.

Tobias Moerschen ist Analyst bei DBRS

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